Im Märklin Laden Anfang der 60er – Tragbeutel

Anfang der 60er Jahre im Spielwarenladen, so circa Ende Januar / Anfang Februar. Die Startpackung vom Weihnachtsfest wird langsam langweilig, der Schienenkreis mit Ausweichgleis sowie die BR89 und die V200 […]

dsc07244.JPGAnfang der 60er Jahre im Spielwarenladen, so circa Ende Januar / Anfang Februar. Die Startpackung vom Weihnachtsfest wird langsam langweilig, der Schienenkreis mit Ausweichgleis sowie die BR89 und die V200 verlangen nach mehr Auslauf und einigen neuen Wagen. Schnell sind einige passende Wagen ausgewählt und mit einiger Überredungskunst gelingt es dem Steppke auch noch eine BR23 rauszuschlagen. Doch wie nun die guten Stücke nach Hause bekommen?

Heute fast unvorstellbar, so gab es damals noch kostenlose Tüten um die Schätzchen nach Hause zu tragen… gut: kostenlos gibt es die heute mit Glück immer noch. Beachtenswerter ist aber, daß zu damaliger Zeit bereits Papiertüten verwendet wurden, heute würde das einen Recycling-Zuschlag rechtfertigen.

Märklin bot den Händlern mindestens ab 1959, zum 100 jährigen Jubiläum der Firma Märklin, solche Behältnisse an. Die meisten landeten später auf dem Müll, Papier ist kein ewig haltbares Material und Tüten stellten damals noch kein Sammelobjekt dar. Lieferbar waren die Tüten in zwei Größen: 22 x 36 x 11 cm und 21 x 30 x 10 cm zum Preis von 6.- bzw. 5.- DM je 100 Stück. Verpackungeinheiten waren jedoch jeweils 400 Stück oder ein vielfaches davon. Hört sich kompliziert an, und wird noch schlimmer… ab 4000 Stück gab es die Möglichkeit (wie beim hier gezeigten Stück) einen Firmenaufdruck in einem runden Feld zu realisieren. Dies kostetet einen einmaligen Aufpreis von 30.- DM unabhängig von der Auflage.

Für die Anfertigung mussten natürlich die Bestellungen auch bis zu einem bestimmten Datum abgegeben werden. Damals mussten sich die Händler eben noch “lang machen” für solche besonderen Stücke.

dsc07246.JPG

Das hier gezeigte Exemplar (Größe 22 x 36 x 11 cm) mit den Motiven der BR89 (3000) und einer V200 (3021) stammt vermutlich aus den frühen 60er Jahren. 1962-64 war das Motiv eine BR 01 sowie die F7 der New Haven. 1966-68 wurde die BR103 (3053) als Motiv eingesetzt, leider nicht mehr mit unterschiedlichen Motiven auf den Seiten.

dsc07707.JPGdsc07706.JPG

Hier ein weiteres Exemplar (Größe 21 x 30 x 10 cm) aus der Zeit von 1962 bis 1964 mit der New Haven F7 und der BR 01. Seitlich ist der Märklin-Schiftzug im Design der 60er Jahre aufgedruckt.

p1070196.JPG

Etwas einfacher, beispielsweise an den Griffen, gestaltet ist dieses Exemplar. Es stammt aus der Zeit von 1966/67 und wurde im Werbemittelkatalog unter der Nummer 19566 geführt und hat die Masse 21x30x10cm. Etwas größer aber im identischen Design war diese Tüte unter der Nummer 19565 mit den Maßen 22x36x11cm verfügbar, diese Version wird auch noch im Werbemittalkatalog von 1967/68 aufgeführt.

Auch bei dieser Ausführung war der Aufdruck für den Händler möglich. Die Seiten sind mit einem Märklin-Schriftzug versehen, wie schon bei der Version von 1962 bis 1964.

Schlagwörter: , , ,

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.