Neue Technik, neue Nummern, die Modellserien 700/790/800/870

Mit Produktionsbeginn der ersten Spur 00 Modelle wurde die Serie 700 von Märklin am Markt eingeführt. Diese ersten Loks wurden ab 1935 bis circa 1940 hergestellt und mit Wechselstrom betrieben, […]

rs700.jpgMit Produktionsbeginn der ersten Spur 00 Modelle wurde die Serie 700 von Märklin am Markt eingeführt. Diese ersten Loks wurden ab 1935 bis circa 1940 hergestellt und mit Wechselstrom betrieben, Märklin setzte von Anfang an auf Allstrommotore. Technisch waren diese Modelle auf einem aus heutiger Sicht sehr einfachen Stand, außer einem Motor und einem Handumschalter (489H) für die Fahrtrichtung sowie der Beleuchtung gab es keine weiteren elektrischen Komponenten in diesen Maschinen. Später wurde eine Fernumschaltung (489U) eingeführt, welche den Handumschalter ersetzte.

Die Bürstenkappen waren von außen zugänglich, dies erleichterte die Wartung der Maschinen und trägt aus heutiger Sicht auch etwas zum Charme dieser Modelle bei – man sieht noch etwas von der Technik die in den Maschinen steckt. Auch viele der späteren Maschinen der 800er Serie haben von aussen zugängliche Bürstenkappen, später wurden diese unter Abdeckungen aus Blech oder Guß verborgen (beispielsweise HR und SK800). Die HR700 ist eine Ausnahme in dieser Serie, ihre Technik beruht schon eher auf der Ausstattung der 800er Maschinen.

Mit der Serie 800 erschienen ab 1938 Modelle mit der “Perfekt” Schaltung. Ein Elektromagnetisches Umschaltrelais in der Lok erlaubte es über einen Überspannungsimpuls die Fahrtrichtung zu wechseln. Zwischen den beiden Fahrtrichtungen wurde jeweils eine zusätzliche Stellung vorgesehen in der der Motor nicht mit Strom versorgt wurde, jedoch wurde die Beleuchtung weiter betrieben. Dies erlaubte es die Lok auch mit “Standlicht” auf der Anlage zu betreiben, außerdem verringerte sich so der berüchtigte “Bocksprung”. Die Bürstenkappen sind bei älteren Modellen der 800er Serie ebenfalls von außen sichtbar, später wurden diese mit Guß- oder Blechklappen verborgen oder verschwanden komplett unter dem Gehäuse, oft auch unter entsprechenden Erhebungen am Gehäuse immer noch präsent. Formen der 800er Serie blieben bis Anfang der 70er Jahre im Programm, beispielsweise das Krokodil 3015 (ex CCS800).

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Nach dem Krieg wurden zwei Modelle in der Serie 790 gefertigt, die E-Lok RS790 und die zweiachsige Dampflok T790, beide verfügten ebenfalls nur über eine Handumschaltung. Da zu dieser Zeit bereits die neue “Perfekt Schaltung” eingeführt wurde, welche auch neue Transformatoren mit einem Überspannungsimpuls nötig machte, war auch ein passender Trafo für diese beiden Loks im Programm. Der Trafo 260 erlaubte es lediglich die Geschwindigkeit einzustellen, eine Umschaltung der Fahrtrichtung war nicht vorgesehen. Diese “Sparserie” wurde nur zwischen 1948 und 1950 produziert, die Fahrzeuge und Transformatoren sowie die Karton der entsprechenden Zugpackungen sind heute sehr selten zu finden.

Die Serie 870 ist eigentlich keine komplette Serie, da lediglich die Uhrwerklok S870 eine entsprechende Nummer trägt. Das von 1953 bis 1956 produzierte Modell, in Anlehnung an die amerikanische Commodore Vanderbilt, wurden zunächst in Startpackungen, später auch im Einzelverkauf angeboten. Einen ausführlichen Bericht zu diesem Exoten finden Sie unter S870 – Märklins einzige Uhrwerklok in Spur H0.

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Die Tradition, mit der Einführung einer neuen Motoren- oder Ansteuerungs-Technologie eine neue Nummerierung einzuführen, wurde auch in späteren Jahren im wesentlichen beibehalten. So folgten auf die 3000er Serie die 3100 und 3300 Serien usw.

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.