International: die F7 Modelle der 60er Jahre

Die Titelseite des Märklin Kataloges von 1961/1962 zeigte einen ungewohnten Anblick, waren doch bisher die meisten angebotenen Lokomotiven schwarz, rot, blau oder grün lackiert, so war nun ein silber-rotes Ungetüm […]

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Die Titelseite des Märklin Kataloges von 1961/1962 zeigte einen ungewohnten Anblick, waren doch bisher die meisten angebotenen Lokomotiven schwarz, rot, blau oder grün lackiert, so war nun ein silber-rotes Ungetüm zu sehen – die F7 von General Motors. Der Sprung über den großen Teich wurde damit nochmals gewagt, es gab ja bereits früher, beispielsweise mit der DL800 und dem ST800 an den US Markt “angelehnte” Modelle, diesmal wurde das Vorbild jedoch konsequenter umgesetzt.

Auf Basis der komplett aus Druckguß gefertigten F7 wurden ab 1962 zunächst zwei unterschiedliche Lackierungen der Bahngesellschaften “Santa Fe” (Artikelnummer 3060) und “New Haven” (3062) angeboten. Ergänzt wurden die mit Motoren ausgestatteten Modelle durch motorlose und damit preiswertere Versionen (4060 und 4062) als “Verlängerung”. Fälschlicherweise wurden diese früher oft als “B-Unit” bezeichnet, tatsächlich hatte aber eine B-Unit keinen Führerstand, dazu später mehr. Ebenfalls wurden passende Güterwagen angeboten.

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Die bekannteste Märklin USA-Lokomotive ist mit Sicherheit das Modell 3060, welches sich bis 1997 in sechs verschiendenen Varianten im Programm hielt, und nur wenige Veränderungen im Verlauf der Produktionszeit über sich ergehen lassen musste. Heute sehr gesucht, und tatsächlich auch selten angeboten, ist die erste Version mit Mittelpuffer. Bei allen späteren Versionen entfiel der Mittelpuffer, es blieb lediglich eine flache Stelle an der vorher der Mittelpuffer saß. Im folgenden ein Detailfoto, als Vergleich mag das Titelbild zu Rate gezogen werden:

30601-mittelpuffer.JPG Bereits bei der zweiten Version ab 1964 war der Mittelpuffer verschwunden, vermutlich machte die Form bei der Produktion an dieser Stelle Probleme oder es “klemmte” im Zusammenspiel mit der Kupplung.
Das antriebslose Ergänzungsteil (4060) ist in weiten Teilen identisch, natürlich fehlt der Motorblock und es ist ein einfaches Drehgestell montiert. Weiterhin ist statt der RELEX-Kupplung lediglich ein Kupplungshaken angebracht, die Gehäuse sind aber in jeden Fall identisch. Beide Teile verfügen über einen Schleifer, beim Ergänzungsteil dient dieser lediglich zur Versorgung der Beleuchtung, eine elektrische Verbindung zwischen den beiden Teilen war nicht vorgesehen.

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In der Lackierung der Bahngesellschaft “New Haven” (3062/4062) wurden während der Produktionszeit von 1962 bis 1967 die gleichen Technischen Änderungen vorgenommen, auch bei diesem Modell entfiel der Mittelpuffer (ab 1964) der ersten Version sehr schnell. Bei beiden Modellen wurde auch der Handschalthebel bei der zweiten Variante eingespart, man hatte wohl vertrauen in den neuen Umschalter der 3000er Modelle gefasst.

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Die Santa Fe-Lackierung der F7 als 3060/4060 weist in der dritten Version noch eine Besonderheit auf, hier wurde das damals aktuelle Märklin Signet seitlich aufgedruckt, dies ist wohl einmalig bei einer Maschine aus der Serienproduktion. Bei allen bekannten Modellen dieser Version ist das Signet übrigens lediglich auf der linken Seite der Lokomotive aufgedruckt.

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Zeitgleich mit der Veröffentlichung der neuen F7 Lokomotiven im Katalog 1961/62 wurden auch zwei Zugpackungen angeboten. Beide Packungen enthielten einige Gleise (12 gebogene Gleise, Artikelnummer 5100 und 5 gerade Gleise 5106 sowie ein gerades Anschlußgleis), aber keinen Transformator. Beide Zugpackungen konnten für 67.- DM mit nach Hause genommen werden.

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Unter der Artikelnummer 3160 wurde eine Packung mit der Lokomotive der Santa Fe (3060) geliefert. Die Lokomotiven dieser Zugpackung können der ersten oder zweite Bauserie entstammen, also mit ohne ohne Mittelpuffer aufgestattet sein. Weiterhin waren enthalten der offene Güterwagen (Gondola) 4575 “Dixie Line”, zwei geschlossene Güterwagen (Box Car) 4571 “Western Pacific” und 4572 “Santa Fe” sowie der Güterzugbegleitwagen (Caboose) 4570. Mit Ausnahme des offenen Güterwagens 4575, welcher aus Kunststoff gefertigt ist, sind alle Wagen aus Blech hergestellt. Auf Basis dieser Wagen wurden später noch verschiedene Varianten gefertigt, allerdings mussten die USA-Fans darauf viele Jahre warten…
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Mit der Artikelnummer 3162 war eine ähnliche Zugzusammenstellung erhältlich, als Lokomotive kam jedoch die 3062 “New Haven” zum Einsatz, der Wagen 4572 wurde durch den entsprechenden 4573 der Bahngesellschaft “New Haven” ersetzt. Wurden zunächst, wie hier gezeigt, rote Kartons verwendet, so kamen später für diese beiden Packungen hellblaue Kartons mit Aufdruck in den Handel. Leider fehlt dem hier gezeigten Karton der weiße Styroporeinsatz für die Lokomotive, darüber mag der Leser jedoch hinwegsehen, ist der Karton an sich doch deutlich seltener zu finden, verglichen mit dem Inhalt.
Der farblich sehr schönen F7 der Bahngesellschaft „New Haven“ war leider keine so lange Lebenszeit im Märklin Programm vergönnt. Bereits im Jahre 1967 endete die Karriere, lediglich als Teilesatz war dieses schöne Modell noch von 1973 bis 1976 zu bekommen. Erkennbar ist ein solcher Teilesatz nicht, lediglich ein fehlender Karton ist ein Hinweiß auf die dritte Variante.
Sicher ist ihnen beim lesen schon aufgefallen: die Artikelnummern 3061 / 4061 sind noch frei… Nun, dann klären wir das Rätsel. Diese Artikelnummern gehören der wohl elegantesten F7 von Märklin, diesmal in der gelben Lackierung einer der bekanntesten Bahngesellschaften der USA, der „Union Pacific“. Von 1969 bis 1972 wurde diese Lokomotive angeboten und ist heute wohl die gesuchteste Variante aus dieser Serie.

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Zweiteilige Exemplare in sehr gutem Zustand erreichen heute bei Auktionen fast 4-stellige Beträge – für beide Teile im Karton. Der Karton ist auch schon ein Stichwort, für dieses Modell gibt es keinen eigenen Karton! Alle bekannten Modelle wurden in einem Karton der 3061 / 4060 geliefert, welcher mit einem Aufkleber der passenden Artikelnummer versehen wurde.

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Eigentlich sehr schade, da doch die Bilderkartons der 60er Jahre sehr schön gestaltet waren.

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Die „Union Pacific“ wurde in zwei Varianten produziert, von 1969 bis 1970 mit einem 5mm hohen Schiebebild an der Front, von 1970 bis 1972 mit einem 6mm hohen Schiebebild. Zum Vergleich hier ein Bild der beiden Versionen 1 und 2:

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Als Teilesatz war dieses Modell von 1973 bis 1976 unverändert lieferbar.

Damit endet schon fast die Geschichte der F7 Modelle der 60er Jahre. Lange Jahre mussten die USA-Freunde auf neue Modelle warten, ein frühes Intermezzo bot unter der Artikelnummer 3062 / 4062 von 1976 bis 1984 die Lackierung der Bahngesellschaft „Rio Grande“. Später folgten bis hin ins Zeitalter der Digitaltechnik weitere Modelle auf Basis des F7 Gehäuses aus der 60er Jahre.

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Erwähnenswert (und auch schon am Anfang des Textes versprochen) sind die B-Units zu den 60er-Jahre Modellen der F7. Ab 1993 wurden B-Unit (diesmal in richtiger Ausführung ohne Führerstand), passend zu den alten Formen und Lackierungen angeboten. Mit der Artikelnummer 4062 war nur im Jahre 1993 die B-Unit in der New Haven Lackierung angeboten.

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Etwas länger im Programm war als 40631 von 1996 bis 1999 die B-Unit der Union Pacific und natürlich gab es auch von 1993 bis 1998 eine B-Unit für die legendäre 3060 / 4060 der Santa Fe Bahngesellschaft.

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Alle B-Units wurden ohne Antrieb ausgeliefert, dafür aber im aktuellen, weißen Schiebekarton. Achten Sie beim Kauf darauf, dass auch die Zubehörteile vorhanden sind! In einem Plastikbeutel sind vier Schrauben und zwei Deichseln beigelegt, eine Anleitung zur Montage liegt ebenfalls bei.

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.