Klare Sache: eine transparente 3000er

3000er mit transparentem Gehäuse, vorn am Sockel mit Blechschild Nach vielen Jahren Produktion von Lokomotiven und Wagen aus Blech und Druckguß wurden ab Anfang der 50er Jahre die ersten Modelle […]

3000er mit transparentem Gehäuse, vorn am Sockel mit Blechschild

Nach vielen Jahren Produktion von Lokomotiven und Wagen aus Blech und Druckguß wurden ab Anfang der 50er Jahre die ersten Modelle mit Aufbauten und Gehäusen aus Kunststoff gefertigt. Die Verwendung von Kunststoffen ermöglichte es sehr preiswerte Modelle herzustellen und trotzdem keine Abstriche hinsichtlich der Detailierung machen zu müssen. Zu den ersten Modellen bei denen Kunststoff zum Einsatz kam gehörte auch die seit 1953 gebaute und mittlerweile millionenfach verkaufte Baureihe 89, besser bekannt unter der Artikelnummer CM 800 und ab 1957 als “3000″ im Programm geführt.

Die Rückseite, ohne “MÄRKLIN” Schild. Feldspule und Umschalter sind sichtbar

Fast zeitgleich mit der Einführung von Kunststoffen bei der Produktion von Gehäusen für Lokomotiven und Wagen wurden auch neuere und kleinere Motoren eingeführt und die Technik der Fahrtrichtungsumschalter verbessert. Dies bedeute auch das Aussterben der Maschinen der 800er Serie, neue Maschinen bekamen ab 1957 eine vierstellige Artikelnummer, für Lokomotiven mit Artikelnummern der Serie 3000. So wurden an allen Lokmodellen mit Ausnahme der SK, TM, RET und der S-Elektrolokomotiven (SE, SET) die geprägten 800er Nummern durch neue Beschriftungen ersetzt.

Sichtbar: der Fahrtrichtungsumschalter, linke Seite mit Betriebsnummer und MÄRKLIN Schriftzug am Führerhaus

Für den Kunden waren diese technischen Innovationen oft “unter der Haube” der Modelle verborgen, es sind aber beispielsweise von Modellen der 800er Serie sogenannte “Schnittmodelle” bekannt. Diese waren für Händler vorgesehen die den technisch interessierten Kunden einen Einblick in die Technologie der Märklin Lokomotiven geben wollten. Vermutlich wurden diese Schnittmodelle in kleinsten Auflagen in Handarbeit gefertigt, ein aufwändiges Verfahren.

Schnittmodell der TM800

Die Verwendung von Kunststoff brachte auch hier einen großen Vorteil. Nun war es möglich die Gehäuse von Lokomotiven aus durchsichtigem Kunststoff zu fertigen. Das hier gezeigte Modell der beliebten 3000er wurde zwischen 1959 und 1962 gefertigt. Als Form kam die entsprechende Variante des Serienmodells dieser Zeit zum Einsatz, welche auch für die aus schwarzem Kunststoff gefertigten Serienmodelle verwendet wurde. So ist die Betriebsnummer “89 005″ sowie die Artikelnummer “3000″ erhaben ausgeführt und vorne verfügt die Lokomotove über ein Dreilichtspitzensignal. Erhalten sind auch noch die originalen, transparenten Haftreifen der damaligen Zeit.

Rechte Seite des Führerhauses mit Artikelnummer “3000″ und Betriebsnummer “89 005″

Montiert wurde das Modell auf einem Holzsockel, der Schleifer zur Stromabnahme fehlt. Mittels einer entsprechend langen Schraube wird die Lokomotive auf dem Sockel befestigt. Eine Leiste unterhalb der Lok sowie von Hand gearbeitete Vertiefungen im Bereich der Räder und ein zweites Loch im Sockel, lassen darauf schliessen das das Modell ursprünglich verkabelt war um im Schaufenster im Betrieb gezeigt werden zu können. Der Sockel ist mit einer Lackierung überzogen, an der Vorderseite ist von oben ein Schlitz zur Aufnahme eines Blechschildes angebracht. Diese Blechschilder stammen aus der normalen Produktion von Werbemitteln für Händler und sind mit dem hier gezeigten alten Schriftzug heute unter Sammlern sehr gesucht.

Links: Der Sockel, links und rechts Vertiefungen für die Räder. Rechts: Helle Haftreifen

Auch wenn die kleine “3000er” in vielen Startpackungen zu finden war und millionenfach verkauft wurde, so ist diese Variante unter Sammlern natürlich sehr gesucht. Dadurch das dieses Modell für die Schaufenster der Händler gedacht war und nicht in den Handel kam war natürlich die produzierte Stückzahl sehr gering. Nur wenige Stücke haben bis heute überlebt und auf Auktionen erzielt ein transparentes Modell der 3000 einen vielfachen Preis gegenüber einer schwarzen Verwandten.

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.