DT 800 der ICE der 50er Jahre

Im Nachkriegsprogramm der fanden sich, neben einigen Vorkriegsmodellen, auch verschiedene neue und gut detaillierte Modelle wie beispielsweise das Krokodil CCS 800 oder die neuen Supermodell Güterwagen. Daneben gab es aber […]

Im Nachkriegsprogramm der fanden sich, neben einigen Vorkriegsmodellen, auch verschiedene neue und gut detaillierte Modelle wie beispielsweise das Krokodil CCS 800 oder die neuen Supermodell Güterwagen. Daneben gab es aber auch einige Modelle zu denen ein wirklich konkretes Vorbild fehlte. Im Jahr 1948 erschien in den Regalen der Märklin Händler der bis dahin längste Märklin Triebwagenzug, der ST 800. Vorgestellt wurde der ST 800 erstmals im “Nachtrag zum Hauptkatalog D 47″ vom Juli 1948.

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Abbildung 1: DT 800.1

Als Vorbild für den ST 800 wird häufig, vermutlich aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit aber auch aus Unkenntnis, die Amerikanische Serie F7 genannt. Da die F7 erst 1949 erschien, dürfte sie als Vorbild für den ST 800 jedoch ausscheiden. Vorbild war tatsächlich aber die EMD TA, welche bereits 1937 vorgestellt wurde. Auf diese wird auch im Märklin-Heft 753 verwiesen. Informationen zu dieser Lok finden sich bei Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/EMD_TA).

Zu dieser Serie von Vorbildlosen Modellen gehören mit Sicherheit aber auch die Doppellokomotive DL 800 und der im folgenden beschriebene DT 800. Vorgestellt wurde der DT 800 im Jahre 1950. Mit geringen Abweichungen wurde dieser Triebwagen bis 1954 angeboten.

Charakteristisch für diesen beige-rot lackierten, zweiteiligen Triebwagenzug sind die sehr klassischen Formen. Die runden Köpfe und die nur leicht abgerundeten Dachkanten heben sich von den strengen Formen der Seiten angenehm ab und erinnern mit der Farbgebung irgendwie an das Design des Bauhauses. Die Verbindung der beiden Teile erfolgt über einen Turm mit Drehgestell, ähnlich wie beim ST 800, jedoch lässt sich der Zug an dieser Stelle nicht trennen.

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Abbildung 2: Umschalter für Ober- / Unterleitung

Häufig wird behauptet das bei den Modellen des ST 800, DL 800, DT 800 und später auch beim 3025 alle Teile identisch sind. Dies trifft sicher auf einige Bauteile zu, jedoch sind die beim DT 800 verwendeten Hauben mit keinem der anderen Züge identisch. Die Hauben des Endteils eines ST 800 haben beispielsweise keine dritte, obere Stirnlampe, die Hauben des 3025 haben zusätzlich Dachrippen. Ein Austausch ist somit nicht möglich.

Die DT 800 der ersten Serie wurden ausschliesslich 1950 produziert. Deutlichstes Merkmal dieser Variante sind die weiter von der Dachkante entfernt montierten Pantographen. Der Abstand von der Befestigungsschraube zur Dachkante beträgt etwa 43 Millimeter, bei allen späteren Varianten etwa 27 Millimeter. Diese Änderung wurde vermutlich notwendig um bei Oberleitungsbetrieb eine größere Betriebssicherheit zu erreichen.

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Abbildung 3: DT 800.1 hinten, DT 800.2 vorn

Generell ist der DT 800 mit Pantographen vom Typ 5, mit Kupferschleifstück, ausgestattet. Lediglich die späten Auslieferungen der dritten, letzten Variante wurden mit Pantographen des Typ 6 bestückt.

Das Innenleben des DT 800 von 1950 weißt einige weitere Besonderheiten auf. Zunächst ist hier der Motor zu betrachten. Der im DT 800 verbaute, sogenannte Blechmotor, verfügt nicht wie von vielen anderen Modellen bekannt über einen massiven Motorblock, vielmehr wird der Anker durch zwei stärkere Bleche gehalten. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Kardanwelle auf die beiden Achsen des mittleren Drehgestells. Besondere Beachtung darf bei der ersten Variante des DT 800 den geschraubten Bürstenkappen gelten. Diese wurden bei späteren Varianten durch Andruckfedern ersetzt.

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Abbildung 4: Dt 800.1 mit Bürstenkappen rechts, DT 800.2 links

Im DT 800 von 1950 finden wir weiterhin den, auch in anderen Lokomotiven zum Beispiel in der MS 800 und TP 800, verbauten Schleppschalter. Der Schleppschalter dient zur Fahrtrichtungsabhängigen Umschaltung der Beleuchtung. Auf der Antriebswelle sitzt hierzu ein Schalter welcher je nach Drehrichtung der Welle die Beleuchtung schaltet. Ab 1952 / 1953 verschwanden alle Schleppschalter aus den Maschinen und die Beleuchtung wurde mittels des Fahrrichtungsschalters umgeschaltet.

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Abbildung 5: Innenleben DT 800.1 vorn und DT 800.2 hinten

Die zweite Version des DT 800 wurde von 1951 bis 1952 gebaut. Äußeres Merkmal sind die weiter zusammenliegenden Pantographen. Die Bürsten im Motor werden nun wie schon beschrieben durch Andruckfedern gehalten. Weitere Details wie beispielsweise verschiedene Fahrtrichtungsumschalter sind für den detailverliebten Sammler sicher von Interesse, würde man diese Unterschiede auch betrachten, so würden vermutlich 10 oder mehr Varianten des DT 800 dokumentiert sein.

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Abbildung 6: DT 800.2, neu lackiert

Eine dritte Variante des DT 800 wurde 1953 und 1954 verkauft, nun wurde der Zug mit Haftreifen ausgestattet um bessere Fahreigenschaften zu erreichen. Späte Chargen dieser Version wurden auch mit Pantographen des Typs 6 mit vernickeltem Schleifstück ausgeliefert.

Zu einem kompletten DT 800 gehört neben dem Triebwagenzug auch ein passender Karton und eine Anleitung. Bei letzterer ist eine zeitliche Bestimmung anhand des Druckcodes noch recht leicht, hier eine Anleitung mit dem Druckdatum Juni 1950:

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Der passende Karton zum DT 800 in der ersten Version ist braun und innen mit gelben Kartonstreifen ausgelegt. Spätere DT 800 Varianten wurden in rot-rautierten Kartons geliefert.

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Abbildung 7: links Karton von 1951 für DT 800.1, rechts roter Nachbaukarton

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.