Liliput-Autos aus Thermoplast der 860er Serie

Die ersten Märklin Automodelle im Maßstab H0 aus Kunststoff erschienen im Jahr 1953. In den Katalogen von 1953 und 1954 sind acht Modelle aufgeführt, von denen sechs weitgehend unbekannt sind. Dies liegt darin begründet, das zwei der Modelle über viele Jahre als Ladegut auf Güterwagen ihren Dienst taten. Den anderen […]

porsche-rot-4.jpgDie ersten Märklin Automodelle im Maßstab H0 aus Kunststoff erschienen im Jahr 1953. In den Katalogen von 1953 und 1954 sind acht Modelle aufgeführt, von denen sechs weitgehend unbekannt sind. Dies liegt darin begründet, das zwei der Modelle über viele Jahre als Ladegut auf Güterwagen ihren Dienst taten. Den anderen sechs Modellen war nur eine kurze Lebensdauer im Programm vergönnt, heute sind dies die gesuchten Raritäten.

Alle Automodelle der Serie 860 waren einfach ausgestattet, die Fenster waren nicht verglasst und die Modelle hatten auch keine Bodenplatte. Die ersten Serien waren komplett unbemalt, später wurden Fenster aber auch Stoßstangen und Lampen farblich hervorgehoben. Mit Ausnahme des Mercedes L3500 Transporters, bestanden alle Modelle aus einem Stück. Die Achsen sind aus Draht gefertigt und am Ende gequetscht, die Räder sind aus schwarzen Kunststoff gefertigt.

Märklin nutzten den neuen Werkstoff Kunststoff ab 1953 nicht nur bei den Liliput-Automodellen der 860er Serie, mit der Dampflok CM800 (später 3000) und der Elektrolok CE800 (auch als CEB800 oder 3001/3002) wurde Kunststoff auch zeitgleich zur Produktion von Lokgehäusen eingesetzt. Preiswerte Güterwagen wurden bereits ab 1951 mit Aufbauten aus Kunststoff produziert, so beispielsweise der Niederbordwagen 305 (305/1 oder auch 4503) und der Kühlwagen 307 (307/1 bzw. 4508).

Mit Ausnahme des Mercedes L3500 und des Ford Taunus wurde die Produktion der Modelle nach nur zwei Jahren eingestellt, vermutlich war ein wirtschaftlicher Erfolg durch Konkurenzprodukte nicht gegeben. Neben den acht Modellen die in Produktion gingen, sind weitere Prototypen bekannt. Geplant waren ein Lanz Trecker, ein Anhänger für den Mercedes L3500 Transporter und ein Anhänger für den Omnibus. Leider wurde keines dieser Modelle je produziert, die Prototypen sind noch im Besitz der Firma Märklin.
In der Serienproduktion befanden sich die folgenden Modelle:

  • 860/1: Mercedes 300, 6cm, grün, hellrot, grau, blau oder beige
  • 860/2 Porsche 356, 4,4cm, grau, hellrot, dunkelrot oder grün
  • 860/3 Volkswagen Käfer 1200, 4,9cm, grau, dunkelrot oder grün
  • 860/4 Ford Taunus 12M, 4,7cm, dunkelrot, grau, 1953 auch grün, hellrot oder beige
  • 860/5E Volkswagen T1 Lieferwagen, einfarbig, 4,8cm, hellrot, dunkelrot, grün, grau oder beige
  • 860/5M Volkswagen T1 Lieferwagen, zweifarbig, 4,8cm, gelb/blau, rot/grau, grün/grau oder braun/beige
  • 860/6 DKW Meisterklasse, 4,9cm, beige, grau, hellrot oder grün
  • 860/7 Mercedes L3500 LKW, 7,1cm, grau, beige oder dunkelrot
  • 860/8E Mercedes O3500 Omnibus, einfarbig, 10,1cm, dunkelrot, grün oder grau
  • 860/8M Mercedes O3500 Omnibus, zweifarbig, 10,1cm, dunkelrot/beige oder blau/grau

Die Verkaufpreise lagen Anfang der 50er Jahre zwischen 40 Pfennigen für den Käfer, den Porsche und den DKW und einer Mark für den Mercedes-Omnibus. Mit den heutigen Preisen hat das leider sehr wenig zu tun, die verschiedenen Sammlerkataloge nennen Preise zwischen 120 und über 300 Euro für die selteneren Fahrzeuge der 860er Serie.

Als Nachfolger des Ford Taunus 12M (860/4) gab es ab 1967 den Ford Taunus 17M in verbesserter Ausführung mit eingesetzten Scheiben und Bodenplatte. Dieser Wagen war ausschliesslich als Ladegut zusammen mit dem Niederbordwagen 4504 oder auf dem Autotransporter 4613 in verschiedenen Farben erhältlich.
Die Modelle wurden aus Kunststoffen in unterschiedlichen Farben hergestellt, es sind bis heute aber nicht bei jedem Modell alle sechs Farben aufgetaucht. Die meisten Modelle sind auf der Innenseite mit dem Schriftzug „Märklin made in Germany“ versehen, es sind aber auch Ausführungen ohne Schriftzug bekannt. Hier verschiedene Modelle mit Schriftzug und ein roter Porsche ohne Schriftzug. Im letzten Bild auch gut zu sehen, beide Porsche stammen aus einer Form, vorne links (im Bild jeweils oben) am Anguss unter der Stoßstange zu sehen.
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Eine lange Lebensdauer im Programm war dem Modell 860/7 Mercedes L3500 LKW als Ladegut auf dem Güterwagen 391/2 bzw. 4515 (ab 1957) beschehrt. In der Zeit von 1955 bis 1970 wurde dieses Modell angeboten, auf der Ladefläche befanden sich zu Anfang der Produktion graue und beige LKWs, später ausschliesslich graue Modelle. Neben den Änderungen der LKWs und Veränderungen des Güterwagens, wurden auch unterschiedliche Halteklammern verwendet. Diese waren häufig grau, aber auch braune Klammern sind auf den Modellen zu finden, insbesondere auf den späteren Ausführungen der Wagen mit brauner statt grauer Ladefläche.

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Hier die erste Version des Güterwagens 391/2 von 1955 – 1957 mit grauem und beigen 860/7 Mercedes L3500 LKW, der Wagenkasten ist braun, innen grau, Drehgestelle geschraubt.

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Die dritte Variante des 4515 von 1964 – 1968 mit zwei grauen 860/7 Mercedes L3500 LKW, der Wagenkasten ist rotbraun, die Drehgestelle mit Sprengringen befestigt.

Der Niederbordwagen 305/2 (Artikelnummer 4504 ab 1957) wurde bis 1966 mit dem Ford Taunus 12M, grau beladen. Ab 1967 kam der Nachfolger des 12M, der Ford Taunus 17M, zum Einsatz. Dieses zunächst ebenfalls graue Modell war ebenfalls aus Kunststoff gefertigt, verfügte aber über eingesetzte Scheiben aus Kunststoff und eine Bodenplatte. Dieser Ford 17M ist nicht mehr der 860er Serie zuzuordnen. Hier im Bild der Niederbordwagen 4505 in der Variante 2 von 1958 – 1966.

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Zum Einsatz kam der Ford Taunus 12M auch auf dem Autotransportwagen 315/4G (ab 1957 mit der Artikelnummer 4613). Zunächst wurden die Autotransportwagen mit zwei grauen und zwei roten Ford Taunus 12M, später mit vier grauen Ford ausgeliefert. Im Bild die erste Variante des Autotransportwagens 315/4G mit breiter Vorentkupplung und je zwei roten und grauen Wagen.

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Geliefert wurden die Güterwagen in den damals aktuellen roten, bzw. später hell-/dunkelblauen Bilderkartons.

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Der Porsche 356 war in den 50er Jahren sicherlich eines der elegantesten Fahrzeuge auf den Strassen. Auf der Modellbahn macht sich dieses Traumauto als Modell 860/2 von Märklin auch heute noch gut, nur leider sind die Preise dem Vorbild entsprechend extrem hoch. Hier die graue Variante mit weissen Stoßstangen und Scheinwerfern.

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Die rote Variante des Porsche 356 macht auf der Tischbahn der 50er Jahre ebenfalls eine gute Figur, bei diesem Modell sind Stoßstangen und Scheinwerfer silbern ausgelegt.

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Mit dem Ford 12M war ein auch auf den Straßen häufiger zu sehendes Modell im Programm. Wie schon erwähnt wurde dieser Wagen auch als Ladegut eingesetzt und ist, zumindest in der grauen Variante, auch heute noch recht leicht und günstig zu bekommen. Die rote Version dieses Wagens war nur kurze Zeit als Ladung auf dem Autotransporter 315/4G und im Einzelverkauf erhältlich.

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Der Mercedes 860/1, hier in der grauen Variante, war in den 50er Jahren eines der Top-Modelle und dies nicht nur auf Bundesdeutschen Straßen, sondern auch auf der Märklin Tischbahn Anlage der 50er.

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Das Modell 860/8E des Mercedes O3500 Omnibuses , hier in der dunkelroten Version, ist eines der gößeren Modelle dieser Serie. Kühlergrill, Stoßstange, Regenrinne und Scheinwerfer sind silbern hervorgehoben. Unter dem Bus findet sich hinten ein Loch (im Bild rechts), welches für einen Anhänger vorgesehen war, dieser ging leider nie in Produktion. Das hier gezeigte Modell ist ebenfalls nicht auf der Innenseite mit einem Märklin Schriftzug versehen.
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Hier die rote, beige schablonierte Version 860/8M:

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Der Märklin Käfer 860/3, hier in der grauen Version. Bei diesem Exemplar sind die Scheiben grau, die Scheinwerfer und die Nummernschilder weiss ausgelegt.
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Mit der Artikelnummer 860/5E war der Volkswagen T1 Lieferwagen lieferbar. Hier die graue Version.

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Und der 860/5M in der beige/grauen Variante:

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Hier, mit der Artikelnummer 860/6, der grüne DKW Meisterklasse:
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Und die hellrote Variante:

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Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.