Blechkameraden: Transformatoren der 50er Jahre im Überblick

Nur zu Anfang der Modellbahnzeit liefen Lokomotiven ohne Transformator, mit direkter Verbindung zum Stromnetz, mit den bekannten Gefahren für den Lokführer. Heute funktioniert der Betrieb einer Tischbahn nicht ohne mindestens einen dieser Blechkameraden, weder auf einer aktuellen digital gesteuerten, noch auf einer historischen Anlage der 50er Jahre. Selbstverständlich wird eine […]

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Nur zu Anfang der Modellbahnzeit liefen Lokomotiven ohne Transformator, mit direkter Verbindung zum Stromnetz, mit den bekannten Gefahren für den Lokführer. Heute funktioniert der Betrieb einer Tischbahn nicht ohne mindestens einen dieser Blechkameraden, weder auf einer aktuellen digital gesteuerten, noch auf einer historischen Anlage der 50er Jahre. Selbstverständlich wird eine historische Tischbahn nicht mit neumodischen Transformatoren mit Kunststoffgehäuden betrieben, dies wäre ein echter Stilbruch!

Natürlich ist die Entwicklung im Laufe der Zeit nicht spurlos an diesem wichtigen Baustein einer jeden Anlage vorbeigegangen, eine kleine Übersicht der Transformatoren der 50er Jahre soll dieser Artikel bieten. Lassen Sie sich vom Design der 50er anstecken und kompletieren Sie ihre Transformatorensammlung, schöne Stücke finden Sie in Onlineauktionen oder in Second-Hand Läden für Modellbahnen. Das Aufstöbern einiger hier gezeigter Stücke kann dabei zur echten Sucht werden, dabei müssen seltene Stücke nicht einmal viel Geld kosten!

Im ersten Märklin Nachkriegsprogramm waren zunächst noch die Transformatoren der Vorkriegsprogramms zu finden, jedoch wurden Anfang der 50er Jahre neue Modelle vorgestellt. Technisch war es sicher notwendig das Programm auf den aktuellen Stand zu bringen, weiterhin erforderten leistungstarke Modelle wie das Krokodil (CCS800 / 3015) oder die neuen Triebwagen (ST800 oder DL800 usw.) mehr Energie, dies erforderte stärkere Transformatoren.

Der erste neue Transformator erschien im Nachtragkatalog 1947/1948 unter der Artikelnummer 260. In einem blauen Stahlblechgehäuse, mit roter Kontrolleute und 10 VA Leistung, war er für den Betrieb mit der Zugpackung RS790/3 (mit der Elektrolok RS790) und der Zugpackung T790/3 (mit der Dampflok T790) vorgesehen und wurde auch, gesondert verpackt, mit dieser ausgeliefert. Die Besonderheit dieses Transformators ist, dass er über eine Null-Position auf beiden Seiten der, im Blech geprägten, Skala verfügt. Eine Umschaltmöglichkeit ist nicht vorhanden, die in der Zugpackung enthaltene Lok wurde von Hand umgeschaltet.
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Auf der Rückseite finden sich vier Buchsen, braun, rot, gelb und grün für Masse, Fahrstrom, Licht und Magnetartikel. Ein Typenschild findet sich auf diesem Gerät nicht, lediglich auf der Vorderseite sind Artikelnummer, Leistung, Spannung und Märklin Logo in schwarz aufgedruckt. Alles in allem ein einfaches Produkt der Nachkriegszeit. Lieferbar war dieser Transformator für die Spannungen 110, 125 und 220 Volt und blieb nur bis 1950 für einen Preis von 27 DM im Programm.

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Geliefert wurden alle Transformatoren in stabilen, braunen Kartons, leider ohne das damals übliche Rautenmuster welches bei Lokomotiv- und Wagenverpackungen eingesetzt wurde. Das Kartonmaterial ist deutlich dicker und stabiler, sicher sinnvoll beim Gewicht der Geräte. Ein etwas stabilerer Karton hätte übrigens auch einigen Lokomotivverpackungen der damaligen Zeit gut getan, wogen doch einige Modelle durchaus über einem Kilogramm. Deshalb wurden verschiedene Kartons mit Holz verstärkt… aber das ist eine andere Geschichte. Hier einige, mehr oder weniger gut erhaltene, Kartonverpackungen verschiedener Transformatoren.

Komplett ist ein solcher 50er Jahre Transformator nur im Originalkarton, mit Einsatz und Pappeinlage sowie einer Anleitung „Anschluß der elektrischen Bahnen“, bzw. bei älteren Modellen die rosa Gebrauchsanleitung zum Trafo 280.

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Ein echter Exot ist das nur im Jahr 1952 produzierte Modell 279. Im Gehäuse des Transformators 260 war dieser ebenfalls für die drei damals gebräuchlichen Netzspannungen lieferbar. Die Umschaltung konnte bei diesem Modell jedoch durch Drücken des Fahrtrichtungsreglers erfolgen, die auf dem Gehäuse geprägte Skala wurde bei diesem Modell mit weisser Farbe hervorgehoben und hat auf der rechten Seite noch die vom Vorgänger bekannte Nullstellung.

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Der Anschluss an die Tischbahn Anlage erfolgt über drei Buchsen, braun, rot und gelb. An diesem Transformator findet sich auf der Rückseite auch ein richtiges Typenschild. Im Katalog von 1952 wird dieser Transformator mit 15VA Leistung speziell für das Modell RSM800 angepriesen, der Katalogpreis lag bei 29 DM.

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Das große Modell der 50er Jahre war mit der Artikelnummer 280A ab 1949 in neuer, blauer Farbgebung erhältlich. Die Aufschrift „MÄRKLIN SUPER“ und das wuchtige Erscheinungsbild liessen schon von aussen die kraftvollen 30VA gut zur Geltung kommen. Das Kraftpaket kostete damals stolze 40 DM.
Zunächst mit sechs Anschlußbuchsen ausgestattet, lieferten die neuen Transformatoren auf vielen Anlagen den notwendigen Strom. Auf der linken Seite ist mittels eines Gewindes und einer Rändelmutter die Möglichkeit gegeben das Gehäuse zu erden. Über den Anschlußbuchsen, sowie auf beiden Seiten, sind Lüftungschlitze aus dem Blechgehäuse ausgestanzt, von innen ist mit einigen Milimetern Abstand ein Blech zur Sicherung angebracht, so das keine Gegenstände eingeführt werden können.

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Die Umschaltung der Fahrtrichtung erfolgt bei diesem Transformator durch Niederdrücken des Fahrtreglers. Ein großes, rotes Kontrolllicht zeigte den Betrieb an. Produziert wurde diese Variante bis 1954. Beim Anschluß ist übrigens zu beachten, dass die untere Reihe der sechs Buchsen braun gekennzeichnet ist und somit die Masseverbindung darstellt. In der oberen Reihe links (von der Rückseite aus gesehen) ist die rote Buchse für den Fahrstrom, die mittlere, gelbe Buchse für Licht und die rechte, grüne Buchse für Magnetartikel vorgesehen.

Eine weitere Variante dieses Transformators wurde wahrscheinlich in einer Übergangszeit zwischen 1954 und 1955 produziert, nunmehr sind lediglich drei Anschlußbuchsen auf der Rückseite angebracht, die Erdungsschraube ist seitlich weiterhin vorhanden.

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Die dritte Variante dieses Transformators verzichtet dann auch auf die seitliche Erdungsschraube und war von 1955 bis 1961, ab 1957 mit der Artikelnummer 6113 mit normalem Stecker und als 6173 mit Schukostecker (Schutzkontakt), im Programm. Statt des Schildes „280“ am oberen Rand ist dort nun des Wechselstromzeichen, eine Tilde, zu finden.

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Für den schwedischen Markt gab es den Transformator 280 auch mit einem entsprechenden Typenschild.

Trafo 260 Schweden

In den 50er Jahren waren in den Haushalten unterschiedliche Spannungen verbreitet. Somit mussten auch die Transformatoren den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Der 30VA Trafo war mit einem normalen Gerätestecker unter der Nummer 6110 für 110V, unter 6111 für 125V, unter 6112 für 150V und, wie schon erwähnt, unter der Nummer 6113 für 220Volt lieferbar. Alternativ konnte man das Gerät mit Schukostecker erwerben, die Artikelnummern lauteten: 6170 für 110V, 6171 für 125V, 6172 für 150V und 6173 für 220Volt.
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Für den Einstieg waren auch kleinere Transformatoren mit 16VA Leistung lieferbar. Das Modell 278A (ab 1957 als 6013 für 220V, 6010 / 110V, 6011 / 125V und 6012 / 150V) war von 1953 bis 1959 lieferbar. Von diesem 16VA Trafo sind drei Varianten, mit und ohne Lüftungsschlitzen bekannt und später mit gestanzter Artikelnummer, vermutlich ist die Version mit Lüftungsschlitzen die ältere, ähnlich wie beim großen Bruder. Die Umschaltung der Fahrtrichtung erfolgt durch Niederdrücken des hinteren Teils des Fahrtreglers.

Ab 1957, mit der Einführung der vierstelligen Artikelnummern, wurde auch das Typenschild verändert, die Artikelnummer ist nun eingestanzt statt gedruckt. Der Ladenpreis betrug im Jahre 1954 16 DM, hier noch ein originalverpacktes Exemplar des 6013 mit Preisschild!

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6044.jpgFür den Export nach Österreich war das Modell 6044 auf Basis des Transformators 6013 von 1958 bis 1960 lieferbar. Deutlichster Unterschied ist die braune Farbgebung. Die Leistung ist mit 14VA bei 0,9 Ampere (statt 16VA und 1,0 Ampere beim 6013) angegeben. Dieser Transformator war für die Exportpackungen 3228 (mit CM800 / 3000) und 3233 (mit Lokomotive RSM800) vorgesehen, wurde aber separat verkauft.

Weiterhin war ab 1958 der Lichttransformator 6313 lieferbar, übrigens heute schon ein recht schwer zu bekommendes Modell. Neben dem fehlenden Fahrtregler ist bei diesem 36VA (laut Typenschild, der Katalog behauptet 35VA) Transformator das Typenschild auffällig. Offensichtlich wurde dieses Gerät von der Firma TRAMAG für Märklin hergestellt. Der Anschluß erfolgte über zwei, über eine Pertinaxplatte herausgeführte, Buchsen. Verkauft wurde dieser Transformator bis 1959 für 19,50 DM. 6313-a.JPG

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Auch dieser Transformator war für die damals üblichen Spannungen als 6310 für 110V, 6311 für 125V und 6313 für 220V mit normalem Gerätestecker und unter den Artikelnummern 6370 für 110V, 6371 für 125 Volt und 6373 für 220Volt mit Schukostecker lieferbar. Eine 150V Variante ist von diesem Modell nicht bekannt.

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.