Personal für die Tischbahn: Gußfiguren [404Ga-d/0201-3]

Um die Tischbahn mit Bewohnern zu beleben wurden von Märklin in den Jahren von 1948 bis 1970 verschiedene Figurensätze aus Guß angeboten. Im Katalog waren drei unterschiedliche Sets aufgeführt, zwei dieser Sets waren für die Ausschmückung von Bahnsteigen gedacht, ein weiteres Set stellte Gleisbauarbeiter dar. Alle Sets wurden in einem […]
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Um die Tischbahn mit Bewohnern zu beleben wurden von Märklin in den Jahren von 1948 bis 1970 verschiedene Figurensätze aus Guß angeboten. Im Katalog waren drei unterschiedliche Sets aufgeführt, zwei dieser Sets waren für die Ausschmückung von Bahnsteigen gedacht, ein weiteres Set stellte Gleisbauarbeiter dar. Alle Sets wurden in einem flachen, grauen oder braunem, Karton geliefert. Ein Einsatz mit unterschiedlich langen Schlitzen (in den die Sockel der Figuren eingesteckt wurden, hielt die Figuren an ihrem Platz.

Seitlich gab es keine Artikelnummer, stattdessen wurde die kompette Oberseite des Deckels genutzt und mit einem Schild beklebt. Für die Sets 404Ga (0201) und Gb (0202) wurde dabei ein einheitliches Motiv mit dem Bahnsteig 423 und passenden Schürzenwagen gewählt, das Set 404Gc zeigt dagegen den Gleisbautrupp bei der Arbeit an Gleisen mit durchgehendem Mittelleiter. Aufgedruckt waren neben dem Namen „Märklin“ und „Made in Western Germany“, das Produktionsdatum und die Artikelnummer. Beim Set 404Gc war zusätzlich „Eisenbahnfiguren steigern die Wirkung zum lebenden Modell“ in drei Sprachen aufgedruckt. 404ga.jpgDas Set 404Ga (Produziert von 1948 bis 1970, ab 1957 als Artikelnummer 0201) war mit 10 „Reisenden“ bestückt. Neben elegant gekleideten Damen der 50er Jahre finden sich in dem Set auch einige Herren, natürlich auch in angemessener Garderobe. Vervollständigt wird dieses Set durch einen Bahnbeamten mit Kelle, welcher sich vorzüglich dazu eignet die Abfahrt für die SK800 vom Blechbahnsteig am Gleis 1 freizugeben. Für die kullinarischen Genüsse sorgt ein mobiler Verkäufer mit seinem Wagen.

Koffer werden auf der Tischbahn nicht selbst getragen, hier hilft der freundliche Kofferträger welcher ebenfalls mit einem Wagen ausgestattet ist. Die Dame im roten Kleid scheint dem Wetterbericht für den Bereich der Tischbahn nicht zu trauen und führt deshalb einen Schirm bei sich. Das muss nicht sein, die Redaktion versichert das es auf der Tischbahn nicht regnen wird!
404gb.jpg Im zweiten Set mit der Nummer 404Gb (Produziert von 1948 bis 1968, ab 1957 als Artikelnummer 0202) ist eine etwas andere Zusammenstellung von Reisenden enthalten. Besonders hervorzuheben ist hier der Skifahrer, erwartet sicher auf den Zug in die Schweiz mit der RET800 und den passenden Blechwagen aus der 348er Serie. Der Wanderer mit Rucksack wird irgendwo in den Alpen aussteigen und sich mittags einer deftigen Brotzeit widmen. Geschäftlich scheint der in braun gekleidete Herr mit langen grauen Socken und passender brauner Schiebermütze unterwegs zu sein. Der Priester im schwarzen Gewand soll Gerüchten zufolge auf dem Weg nach Rom sein, es gibt dort einen frei gewordenen Posten zu besetzen. Auch dies hat, Tischbahn-gerecht, mit weißem und schwarzem Rauch zu tun!

Der Ober mit drei frischen Bierchen eilt zum den durstigen Kehlen auf der Terrasse der Bahnhofsgaststätte im Bahnhof Friedrichshafen, das war noch echter Service in den 50ern! Sehr schön auch die Ruhe die die Mutter mit dem Kinderwagen umgibt, trotz ratternder Guß- und Blechbahnen schläft das Kind… wunderbar!

0203.jpgIm Set 404Gc (Produziert von 1952 bis 1966, ab 1957 als Artikelnummer 0203) sind 10 „Streckenarbeiter“ enthalten, die einen Gleisbautrupp bilden. Obwohl es auf der Tischbahn hektisch zugeht und immer etwas zu tun ist, sind doch zwei echte Faulpelze in dem Set zu finden. Einer der beiden wischt sich grad den Schweiß von der Stirn, so das zu vermuten ist das grad noch gearbeitet wurde, der zweite aber lehnt entspannt auf der Schippe… nunja. Strenger sieht das Geschehen um den grau gekleideten Vorarbeiter aus, mit klaren Anweisungen treibt er die Mitarbeiter zu immer höheren Leistungen an, die Tischbahn soll ja noch vor Weihnachten fertiggestellt werden.

Mit Schaufel, Hacke und Schiebkarre bewaffnet treiben die Kollegen die Arbeiten vorran. Handarbeit ist noch beim Verlegen der Schwellen angesagt, dies erfordert zwei ganze Kerle. Dieses Set erziehlt heute die höchsten Preise dieser drei Figurensets.

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Für die Bestückung von Personenwagen mit Fahrgästen waren ebenfalls eine zeitlang Gußfiguren im Angebot, dies rechtfertigt aber eine eigene Geschichte… Gleiches gilt für die Vorgänger dieser Gußfiguren aus Masse, welche unter der Artikelnummer 405G(N) im Angebot waren.
Haltbar befestigen lassen sich diese Figuren übrigens ganz wunderbar mit Patafix von Uhu! So überleben die Figuren auf einem Blechbahnsteig auch den Transport zum nächsten MIST1 Stammtisch ohne Abstürze!

Wahrscheinlich wurden alle diese Figuren nicht von Märklin selbst, sondern von einem Zulieferer hergestellt. Untermauert wird diese Theorie durch verschiedene Figurensets die immer wieder auftauchen und eine starke Ähnlichkeit in Form und Verpackung aufweisen, aber unterschiedlich lackiert sind.

Auch sind weitere Formen von Gußfiguren in ähnlichem Stil bekannt. So wird in einem Sammlerkatalog das Set mit der Märklin Nummer 404Gd aufgeführt – ein Schäfer mit Hund und Schafen – dies findet sich aber in keinem Märklin Katalog. als Produktionszeitraum wird 1952 bis 1956 vermutet. Ungewöhnlich ist auch, dass sich in diesem Set 12 Figuren befinden.

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404gd.jpgHier noch als Beispiel ein Set mit verschiedenen Pferden, ebenfalls im gleichen Stil gefertigt, aber kein Märklin Produkt. Aber der Liebhaber solcher Raritäten findet sicher einen Platz auf der Weide für die Gäule auf seiner Tischbahn…!

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.