Selbstgebaut: Güterwagen als Bausätze

 Ab 1958 erhielten als Neuheit die Bausätze von verschiedenen Güterwagen Einfahrt auf den Katalogseiten der Firma Märklin, bald darauf lagen diese auch in den Regalen der Händler. Für diese Bausätze wurden neue, vierstellige, Artikelnummern, beginnend mit der Nummer 4900 für den silbernen Kesselwagen mit BP Logo, eingeführt. Die Bausätze selber […]

 Ab 1958 erhielten als Neuheit die Bausätze von verschiedenen Güterwagen Einfahrt auf den Katalogseiten der Firma Märklin, bald darauf lagen diese auch in den Regalen der Händler. Für diese Bausätze wurden neue, vierstellige, Artikelnummern, beginnend mit der Nummer 4900 für den silbernen Kesselwagen mit BP Logo, eingeführt.

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Die Bausätze selber weisen einige Besonderheiten gegenüber den Modellen der „normalen“ Produktion auf. Die im Bild gezeigten Kartons wurden in den Farben hellblau, dunkelblau und orange gedruckt. Neben der Artikelnummer auf der äußeren Hülle des Karton, war die Artikelnummer auch zusätzlich auf dem Bodenteil des Kartons gedruckt (siehe Karton 4950 in der Abbildung). Innen sind die Kartons mit einem Einsatz versehen welcher die einzelnen Teile während des Transportes am Platz hält. Einzelteile wie Schrauben, Splinte und Kupplungsteile wurden in einem Beutel beigelegt. Waren diese Beutel zunächst aus einer Blisterfolie gefertigt und am Rand überlappend verklebt, so wurden später Plastiktüten verwendet welche lediglich durch mehrmaliges Falten verschlossen wurden.

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Es tauchen zwar ständig nicht gebaute Bausätze auf, aber leider sind die oft nur zerlegt und somit nicht als „ungebaut“ zu bewerten. Achten Sie beim Kauf auf noch verschlossene Beutel und intakte Schiebebilder, auch wenn dies keine 100%ige Sicherheit bietet. Beides läßt sich heutzutage leicht fälschen.

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Neben dem Sammeln von ungebauten Bausätzen, kann aber auch die Suche nach Exoten interessant sein. So wurden einige Modelle ausschliesslich als Bausätze angeboten und waren in den entsprechenden Varianten nie im normalen Sortiment zu finden. Der bereits erwähnte BP Kesselwagen ist hier ein prominentes Beispiel und darüber hinaus interessant, da von diesem die verschiedensten Varianten hinsichtlich des Designs zu finden sind. Hier liessen die Monteure der Fantasie oft freien Lauf.

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Bausätze wurden bis circa 1976 ausgeliefert, ab 1971 wurden die Kupplungen fertig montiert beigelegt, so das sich Modelle aus dieser Periode nicht mehr anhand dieses Merkmales identifizieren lassen. Betrachtet man die Preisgestaltung der Modelle, so ist klar zu sehen das die Bausätze günstiger im Handel angeboten wurden. Ein weitere Aspekt ist sicher der höhere Spiel- und Lernwert bei Bausätzen, konnte man doch so einen gewissen Einblick in die „Technik“ der Modelle erhalten. Dies gilt noch vielmehr für die beiden ebenfalls als Bausatz angebotenen Lokomotiven 3921 (V200) und 3937 (E41). Teilesätze von Lokomotiven wurden ebenfalls angeboten, jedoch nie im Katalog aufgeführt. Doch zurück zu den Güterwagen, die Geschichte der Lokomotiv Bausätze betrachten wir ein anderes Mal…

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Zurück zur Preisgestaltung; auch wenn die Bausätze einige DM günstiger angeboten wurden, so groß war der Unterschied nicht. Als Bausatz war ein Kesselwagen für 3, als Fertigmodell für 4,25 DM zu haben.In der Herstellung lies sich wohl auch kaum etwas einsparen, betrachtet man die doch notwendigen Aufwendungen für die spezielle Verpackung und die Endkontrolle sowie die notwendige Bauanleitung. Vermutlich waren die Bausätze eher ein Zusatzgeschäft.

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Gegen Ende der Bausatzära ab 1971 (z.B. bei dem „Ford“) legte Märklin dann auch schon teilweise fertig montierte Kupplungen bei. Bei dem Bausatz des gedeckten „Ford“ Güterwagens (4937) ist auf dem Karton die Kupplung als Bausatz abgebildet – in Bauanleitung sind aber fertige Kupplungen abgebildet (die dem Bausatz auch beilagen). Der Ford Wagen ist zusammen mit dem Bierwagen „Staufen Bräu Göppingen“ (4934) auch der einzige der im gebauten Zustand vergleichsweise „hoch“ gehandelt wird, da auch dieser nicht im normalen Programm zu bekommen war.

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Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.