Historisches Digital Set 6232 – „TRAIN-ING“

Bereits 1984 erschien mit „Märklin Digital“ das erste digitale Modellbahnsystem für den Massenmarkt. Die ersten Komponenten dieses Systems waren technisch an einigen Punkten „beschnitten“, so waren beispielsweise „nur“ 80 Lokomotiven […]

Bereits 1984 erschien mit „Märklin Digital“ das erste digitale Modellbahnsystem für den Massenmarkt. Die ersten Komponenten dieses Systems waren technisch an einigen Punkten „beschnitten“, so waren beispielsweise „nur“ 80 Lokomotiven ansteuerbar und mit 14 Fahrstufen war es nicht möglich zielgenau zu rangieren. Weiterhin liessen die ersten Fahrgeräte eine Anfahr- oder Bremsverzögerung vermissen, so das man sich in die analoge Zeit zurückversetzt fühlte – war doch diese Funktionalität bereits im Fahrgerät 6600 gegeben welches bereits einige Jahre im Handel war. Spätere Erweiterungen des Märklin Digital Systems räumten diese Beschränkungen aus dem Weg.

Da der Start von Märklin Digital nun bereits über 25 Jahre her ist, finden sich im Sortiment auch einige für den Sammler durchaus spannende Sachen, Grund genug mal einen Blick in die jüngere Vergangenheit der Märklin Produktion zu werfen.

Die von 1986 bis 1990 hergestellte und ausschliesslich über den Westermann Lehrmittelverlag in Braunschweig vertriebene Märklin TRAIN-ING Koffer Grundpackung stellt ein besonderes Stück in der Geschichte des Märklin Digital Systems dar. Genau genommen handelt es sich um zwei Koffer – eine Grundpackung und ein Ergänzungsset. Angeboten wurden diese Koffer in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg sowie Südtirol.

Das Set besteht aus jeweils einem grauen Koffer aus Kunststoff mit Schaumstoffeinlage (Artikelnummer 6232 bzw. einzeln als 6201 / 6202). Restbestände dieses Set wurden später von Märklin verkauft, diese Koffer wurden ohne Westermann Aufkleber ausgeliefert.

Inhalt des Grundkoffers 6201: eine Train-Ing-Diesel-Lokomotive V60 / 260 auf Basis 3665 mit Transparent-Gehäuse, zwei Containerwagen 6241 mit transparentem Container und Aufschrift TRAIN-ING, Central Control 6223 transparentes Gehäuse, Transformer 52VA 6002 – ebenfalls mit transparentem Gehäuse, gerade und gebogene Metall-Gleise mit Punktkontakten, zwei elektrische Weichen mit eingebauten Digitaldecodern 6073, Anschlusskabel für serielle Schnittstelle RS232, eine 5 1/4′-Diskette mit Software für MS-DOS, Lehrerhandbuch im Anleitungsordner.

Inhalt des Ergänzungskoffers 6202: zwei TRAIN-ING Containerwagen 6241, zwei Weichen mit Digitaldekoder 6073, Entkupplungsgleis mit fest verbundenem halben Gleisstück in dem wiederrum ein Decoder 6073 verbaut ist, Prellböcke, Schaltgleise und Kontaktgleise sowie ein Decoder S88 mit entsprechenden Steckern und Kabel. Dazu noch eine zusätzliche Diskette mit passender Software sowie entsprechende Dokumentation.

Die nur in diesem TRAIN-ING Set erhältliche BR 260. Es sind Exemplare mit silbernem Dach bekannt, dieses wurde vermutlich nachträglich montiert. Beim aktivieren der Funktion – hier die TELEX-Kupplung – leuchtet auch die rote Lampe, während der Fahrt hat die Lokomotive keine Beleuchtung.

Der Containerwagen, zwei davon in jedem Koffer, war ebenfalls nur im TRAIN-ING Set erhältlich. Einzelne Exemplare tauchen von Zeit zu Zeit immer mal wieder auf.

Die Central Unit 6223 ist eine spezielle Version mit der lediglich die Adressen 10, 20, 30 und 40 gesteuert werden konnten. Ebenfalls ist die Zugriff auf Magnetartikel auf maximal 4 beschränkt. Um einen Anschluß an den Computer zu ermöglichen, ist das Gerät mit einem eingebautem seriellen Interface (RS232) ausgestattet. Eine sehr sinnvolle Erweiterung die leider später nur noch als separates Gerät (6050 oder 6051) erhältlich war. Oft wird von diesem Gerät behauptet es handle sich um ein transparentes 6021, dies ist falsch. Ein transparentes 6021 war als 60211 zum 140-jährigen Jubiläum erhältlich.

Hier der transparente Transformator 6002 – der untere Teil des Gehäuses ist nicht transparent.

Die Märklin 6073 Decoder wurden im TRAIN-ING Set genutzt um die Weichen und das Entkupplungsgleis anzusteuern, hergestellt wurden die Decoder  in zwei Varianten, eine ältere ohne Lötbrücken zu Codierung der Adressen und eine neuere mit Lötbrücken. Im TRAIN-ING Set kommt die erste Variante zum Einsatz, diese war nicht dafür vorgesehen von den Kunden selbst eingestellt zu werden, vielmehr wurden die Adressen ab Werk fest vergeben. Die Weichen aus dem Koffer „lauschen“ auf den Adressen 1-4.

Decoder 6073 eingebaut in einer M-Gleis Weiche (Abdeckung entfernt).

Der Decoder für das Entkupplungsgleis wurde aus Platzgründen in einem zusätzlichen Gleisstück halber Länge untergebracht, dieses erhielt noch eine Schutzabdeckung aus Blech.

Die Software bestand aus verschiedensten Programmbeispielen zur Steuerung der einzelnen Digital-Funktionen per PC inklusiv der Beispiel-Sourcen für Basic und Pascal. Zentrale Komponente ist aber das Programm „MAKRO“ welches eine einfache Eingabe von Steuerungsbefehlen sowie einen automatischen Ablauf der aufgezeichneten Befehle erlaubt. Mit heutigen Steuerungsprogrammen ist das nicht vergleichbar – aber genau das macht den Blick in die digitale Vergangenheit so spannend.

Die 5 1/4 Zoll Disketten sowie die Dokumentation des TRAIN-ING Systems wurde in einem separatem Hefter geliefert. Die Software wurde noch über die Version 1.07 hinaus weiterentwickelt, so ist beispielsweise eine englische Version der Software mit einer höheren Versionsnummer bekannt. Sollte ein Leser dieses Artikels über weitere Versionen verfügen, so freue ich mich über einen Hinweiß!

Im Bild unten zu sehen ist auch die zweite Diskette für den Zusatzkoffer.

Wer sich nun für die transparente Lokomotive der Baureihe 260 interessiert sei drauf hingewiesen, das es einige transparente Modelle im Sortiment gab – doch das ist vielleicht einmal einen andere Geschichte. Unter der Artikelnummer 6232 wurde in einem grauen Karton mit Aufdruck „TRAIN-ING“ die transparente Diesellokomotive 3774 (BR 216 der DB) angeboten.

Hier ein beispielhafter Aufbau einer Anlage aus TRAIN-ING Teilen der beiden Koffer, der zusätzlichen BR 216 sowie einer Steuerung mit einem 486er PC. Als Software kommt die bereits beschriebene Software „MAKRO“ zum Einsatz.

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Für den motivierten Nachbauer der hier gezeigten TRAIN-ING Anlage hier auch gleich der passende Fahrplan für die Software MAKRO:

* Init Start
W   1 R
W   2 G
W   3 G
W   4 G
L 10 S  0 F 0
L 20 S  0 F 0
Z  10
* Init Ende
L 10 S  2
Z  30
L 10 S  3
K  2
L 10 S  2
K  1
L 10 S  0
Z  20
L 20 S  0 F 1
Z  20
L 20 S  3
Z  40
L 20 S  4
Z  50
L 20 S  5
K  3
L 20 S  3
Z  20
L 20 S  2
K  4
L 20 S  0
Z  20
L 20 S  0 F 0
Z  10
* Ende Teil 1
L 10 D
W   4 R
L 10 S  1
Z  10
L 10 S  2
K  5
L 10 S  1
Z   5
L 10 S  0
Z  30
L 10 D
L 10 S  0 F 1
Z   5
L 10 S  2
Z   5
L 10 S  3
Z  10
L 10 S  3 F 0
Z 10
L 10 S  3
Z  20
W   3 R
* SICHERHEIT W2
W   2 R
K  2
L 10 S  2
Z   5
L 10 S  1
Z   5
L 10 S  0
L 10 D
Z  30
L 10 S  2
K  6
L 10 S  1
Z  20
L 10 S  0
Z  30
W   2 G
W   3 G
W   4 G
* LOK 10 GETRENNT
L 20 S  0 F 1
Z  10
L 20 S  2
Z  20
L 20 S  3
Z  20
L 20 S  4
* ZWEITE RUNDE LOK 20
W   2 R
K  7
Z  40
W   2 G
K  3
L 20 S  3
Z  10
L 20 S  2
K  4
L 20 S  0
Z  10
L 20 S  0 F 0
*  LOK 20 WIEDER AM PLATZ
* ZUG ZUSAMMENSETZEN
L 10 D
L 10 S  2
Z  20
L 10 S  3
K  2
L 10 S  2
Z   5
L 10 S  1
Z   5
L 10 S  0
Z  20
L 10 D
L 10 S  2
W   4 R
W   3 G
K  5
Z   5
L 10 S  1
Z   5
L 10 S  0
L 10 D
Z  20
L 10 S  2
Z  10
L 10 S  3
K  2
L 10 S  2
Z  10
L 10 S  1
K  1
L 10 S  0
W   4 G
* AUSGANGSPOSITION
Z  10
L 20 S  0 F 1
Z  15
L 20 S  1
Z  15
L 20 S  2
Z  15
L 20 S  3
K  3
L 20 S  2
K  4
L 20 S  0
Z  15
L 20 S  0 F 0
G A
ENDE DES FAHRPLANES

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.