Die Legende – das Spur 0 Krokodil CCS 66 / 12920

Die von Märklin hergestellten Krokodile wurden von Sammlern schon immer hoch geschätzt. Dies trifft einerseits auf die ab 1947 hergestellen „Supermodelle“ der Spurweite 00, also das CCS 800 und die […]

Die von Märklin hergestellten Krokodile wurden von Sammlern schon immer hoch geschätzt. Dies trifft einerseits auf die ab 1947 hergestellen „Supermodelle“ der Spurweite 00, also das CCS 800 und die spätere Ausführung 3015, aber auch insbesondere auf die aus Blech gefertigten Modelle der Spurweiten 0 und I zu. Ganze Bücher wurden über diese Modelle geschrieben, Zeit also auch hier mal eines dieser Flagschiffe vorzustellen.

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Das Spur 0 Krokodil CCS 66 / 12920 wurde ab 1933 im Katalog aufgeführt und ab 1934 zum Preis von 144 RM im Handel angeboten. Zunächst trieb ein Motor, später dann zwei Motoren das Modell an – wobei Maschinen mit einem Motor extrem selten sind. Die Maschine wir mit einer Spannung von 20 Volt betrieben, erkenntlich an einem rotem Pfeil auf dem Gehäuse. Zum Preis von weit über 100 Reichsmark war es damals ein für fast alle Haushalte unerschwingliches Modell.

Abstriche mussten die Käufer aber doch machen, fehlte doch gegenüber dem Vorbild eine Achse. Die Idee zur Produktion einer Elektrolokomotive nach Schweizer Vorbild stammt von Dr. Carl G. Ehmann, welcher auf seinen Reisen in die Schweiz sehr von dieser Maschine beeindruckt war. Entworfen wurde das Spur 0 Krokodil im Hause Märklin unter der Leitung von Friedrich Rieker. Der damals produzierte Prototyp existiert noch heute im Bestand der Firma Märklin.

Alle vier Türen lassen sich öffnen, an einem Ende sind zwei weiße, am anderen Ende zwei rote Lampen montiert. Die Oberleitung ist nicht funktionsfähig, Oberleitungsmasten wurden jedoch 1936/1937 kurzzeitig für die Spur 0 angeboten und sind heute sehr selten.

Die Ära der Spur 0 Blech-Krokodile endete um 1940, wer jedoch über extrem gute Geschäftsbeziehungen direkt zum Hause Märklin verfügte, konnte auch in den 50er Jahren noch ein Spur 0 Krokodil aus Ersatzteilen bekommen. Der Preis von rund 600 DM ist aus heutiger Sicht als sehr günstig zu bezeichnen.

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Ein Blick in das Innenleben des CCS 66 zeigt und das es mit zwei Motoren ausgestattet ist – dies sorgt für einen seidenweichen Lauf, hohe Zugkraft und einen beeindruckenden Auslauf.

In einer Niederländischen Sammlung befindet sich ein Spur 0 Krokodil in weißer Farbgebung mit der Schriftzug „New York Central Lines“, dieses war ein Versuch auf dem Amerikanischen Markt der Firma Lionel Paroly zu bieten. Dieses Vorhaben wurde jedoch durch den Krieg zu den Akten gelegt.

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Die Seitenaufnahme des Mittelteils zeigt den Märklin Schriftzug auf einem geprägten Schild, darunter die in gleicher Form ausgeführte Artikelnummer. Unter der Artikelnummer der zusätzliche Aufdruck „2 Mot.“ – der Hinweis auf eine mit 2 Motoren ausgestattete Maschine.

Nachbauten sind ebenfalls bekannt, diese sind als solche auch am fehlenden Märklin Schriftzug erkennbar. Vorsicht ist geboten bei Modellen die einen Aufdruck „2 Motor“ haben – diese sind als Märklin Modelle gekennzeichnet, stammen jedoch aus einer osteuropäischen Werkstatt.

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Das hier gezeigte Modell ist natürlich lauffähig und kann von Zeit zu Zeit auf der Spur 0 Anlage des MIST1 im Deutschen Technikmuseum Berlin bewundert werden.

Über Frank Ronneburg

Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert. Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg erfolgreich die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert. Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.