Handarbeit: der Tunnel 453

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Zu den seltensten Stücken einer Sammlung der Märklin Spurweite 00/H0 zählt mit Sicherheit der Tunnel 453. Gefertigt wurde dieser Tunnel auf Basis eines Holzunterbaues, dieser wurde schwarz lackiert, mit einem Überzug aus Masse welche dann in Braun- und Grüntönen bemalt wurde, alles in Handarbeit. Auf der Unterseite findet sich neben dem Märklin Stempel bei diesem Exemplar auch die handgeschriebene Artikelnummer und der Preis, damals ganze 12 Reichsmark! Die Tischbahner der frühen Jahre konnten dieses schöne Stück lediglich in den Jahren 1937 bis 1939 einzeln erwerben, was sicherlich dazu führte, dass dieser Tunnel heute sehr schwer zu finden ist. tunnel-453-007.jpgMit einer Breite von 57cm gehört der Tunnel 453 schon zu den größeren Zubehörteilen der Spurweite 00 und wurde dadurch sicher nicht einfach so in eine Anlage integriert, ein guter halber Meter will eben geplant sein. Erschwerend kommt hinzu, dass der Tunnel für drei Bogengleise 3600A ausgelegt war, so dass der Einbau lediglich in einer Kurve möglich ist.

Auf der Spitze des Bergmassivs befindet sich ein Turm, dieser ist aus Blech gefertigt, mit einer Fahne. Der sportliche Wanderer auf der Tischbahn wird zunächst einige Zeit an den steilen Felswänden zubringen, bevor er den großartigen Ausblick vom Turm aus genießen kann. Die Bilder wurde von einem Sammlerkollegen aus Italien zur Verfügung gestellt (Vielen Dank an dieser Stelle!), interessant ist die Geschichte zu diesem Tunnel und es ist einem glücklichen Umstand zu verdanken, das dieser Tunnel noch existiert.

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„Meine Geschäftskollegen wussten zu meiner Eisenbahnleidenschaft. Eines Tages sagt mir ein Kollege, dass das Haus der Eltern abgerissen würde und dass da noch eine uralte Eisenbahn im Keller stehen würde und ich sollte mir diese doch mal anschauen – vielleicht wäre noch etwas Brauchbares dabei… tunnel-453-010.jpg tunnel-453-011.jpg Eigentlich wollte ich nicht so recht, da es mir nur verlorene Zeit erschien, wer sammelte in Italien schon Märklin? Allenfalls Roco, Lima oder Rivarossi… ausserdem hatten die Leute damals doch kein Geld (aber wer weiss, vielleicht hatten sie damals mehr Geld als heute…?) Nachdem ich mich dann doch endlich dazu aufraffte, um in diesem halb zerfallenen Haus (Podere) in den Keller zu gelangen, blieb mir der Mund offen stehen..! Da stand tatsächlich eine Märklin Anlage – ca. 2 x 4 Meter – völlig verstaubt, so dass man eigentlich gar nicht so recht erkennen konnte, was es eigentlich war. Nach einigem Stöbern sah ich dann klarer… Da standen uralte R 700 mit kompletten Zügen noch auf den Gleisen, alte Kesselwägen, Personenwägen bis hin zu den Pullmännern 349 und uralte CCS 800 (natürlich total zusammengekracht und zerbröselt).

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Und da stand hinten in der Ecke eben auch unser Tunnel, völlig eingestaubt aber am Ende doch optimal erhalten. So war das nun eben, viel Brauchbares war am Ende nicht mehr zu finden, alle Gussteile waren praktisch zerbröselt und Blechwägen verrostet.

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Wo diese Teile einmal herstammten, wusste mein Kollege auch nicht, da die Eltern schon lange gestorben waren. Ob Verbindungen nach Deutschland bestanden, war nicht bekannt. Ebenso nicht, ob diese Teile durch die Amerikaner in unser Gebiet gelangten – unweit von hier, in Anzio ist ein großer Militärfriedhof aus dem zweiten Weltkrieg – große Kämpfe bei Anzio – Nettuno sind ja bekannt.“

4 Kommentare zu “Handarbeit: der Tunnel 453

  1. Märklin-Tunnel 453
    Für mich bleibt die Frage offen, ob dieser Tunnel aus der Märklin-Produktion stammt oder zugekauft wurde.Märklin war nun einmal Blechverarbeiter. Allerdings wäre die Fertigung dieses Tunnels in Blech wohl nicht gerade einfach gewesen. Wenn zugekauft, dann wohl von Kibri. Dort war (später?) auch ein einfacher Kurventunnel im 00-Programm. Im Prinzip entspricht der Märklin-Tunnel der üblichen Kibri-Bauweise.
    Allerdings sind bei Märklin in der Frühzeit auch Holz/Jute-Tunnel bei den großen Spurweiten bekannt, sogar ganze Bergbahn-Landschaften -aber ob aus Göppingen oder Böblingen, weiß wohl niemand mehr. Der Turm des Tunnel 453 stammt aus dem Märklin-Blechtunnelbau für große Spurweiten und war dort aufgesteckt. Das Verhältnis zwischen Kibri und Märklin war wohl einst sehr innig. Darauf deuten bei Märklin zum Beispiel Lampen und wohl auch einige Bahnhöfe (Blech!) hin. Bei Kibri gab es Märklin-Weichen umgerüstet auf das Kibri-Bravo-Drahtzugprogramm für Spur 0 und auch noch anderes. Das war ohne Genehmigung sicher nicht möglich -also Warenaustausch? Vermutlich.
    Botho G. Wagner

  2. Märklin-Tunnel 453, Teil 2 meines Nachtrags dazu:
    Frank Ronneburg schrieb im Text, dass der Tunnel damals (gerade mal) “ganze” 12 Reichmark gekostet hat. Stopp! Das war sehr viel Geld! Ein FACHarbeiter musste damals dafür rund 20 Stunden(!) arbeiten. Nach Abzug von Lohnsteuer, Krankenkasse und Parteibeitrag/DAF/Sonderbeiträge(wie WHW/NSV usw) bleib ihm dann gerade mal dieser Betrag. Für eine Schnellzuglok HR700 (dem Traum alle Buben) wurden damals 22.50 Reichsmark an der Kasse fällig. Also war das auch noch verhältnismäßig viel Geld für etwas Pappe, Holz, Gips und wenig Blech oben drauf. Daher die Seltenheit!
    Sorry, das war mir erst jetzt aufgefallen.
    Botho Wagner (geboren 1935)

  3. In den Kommentaren wird zurecht an die Märklin- Tradition im Tunnel- und Geländebau aus Holz und Masse erinnert. Auch der weichgelötete Blechturm mit der Fahne kommen uns aus Göppingen bekannt vor. Sind das Anhaltspunkte für eine Produktion in Böblingen?

    Der Kibri Tunnel 0/44/2 ist im Katalog 37 von 1937 nur im Text beschrieben: “ganz groß gebogen für Rundung der Schiene verwendbar. Holz mit Plastik L 43 cm B 43 cm H 17 cm”. Eine Abbildung findet sich im Katalog 39 von 1939.
    Das Modell ist in der Vorkriegsausführung ein Ecktunnel (und kein Bogentunnel wie die Nachkriegsausführung).

    Zum Vergleich: Der Kibri Tunnel 0/44/2 kostet im Jahre 1940 laut Preisliste im Laden 8,50 RM.

    Wenn Kibri 1937 den Märklin Tunnel nach Vorgaben aus Göppingen gebaut haben sollte, dann hätte man in Böblingen früher von der für 1938 geplanten Märklin Oberleitung gewußt…

    Die Geschichte des Märklin Tunnels 453 endet nicht 1939, auch wenn er im Miniaturbahnprospekt 1940 nicht mehr zu finden ist. Der Detailkatalog 16 von 1939 bleibt noch einige Zeit übergeordnetes Referenzdokument. Der Tunnel 453 ist auch noch in der Preisliste 1942 zu diesem Katalog aufgeführt.

    Bodo Schenck

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