Ana Chronika

Was klingt wie der Name einer osteuropäischen Autorin soll auf Entwürfe für Fahrzeuge in H0 aufmerksam machen, die es nie gegeben hat, aber hätte geben können, wenn – ja wenn es die Geschichte so gewollt hätte.
Solche Überlegungen über Anachronismen können als Schwachsinn abgetan werden, andere mögen sie als besonders inspirierend empfinden.
 
Hier zwei fotomanipulierte Entwürfe, die in den 60er Jahren durchaus Chancen auf Abnehmer gehabt haben dürften. Vorbild und wirtschaftliche Produzierbarkeit stehen bei dieser Spekulation im Hintergrund. Es geht hier eher darum, die Phantasie zu beflügeln, was man aus Schrott noch alles basteln könnte.

Es geht auch schwerer...

Hier wurden zwei Märklin Kippwagen 4513 bzw. Primex 4583 zunächst als Bildmanipulation zusammengesetzt. Für dieses Erscheinungsbild müssten die Radaufhängungen abgetrennt und zur Mitte versetzt wieder befestigt werden. Dazu können Blechstreifen dienen, die beim Zersägen als Abfall anfallen. Stabilität bekommt der zusammengesetzte Boden durch zwei Messing-Vierkantprofile, die hinter die Wagenkante geklebt werden. Zur weiteren optischen Verbesserung ist eine Verstrebung unter dem Wagenboden und eine Verstärkung der Muldenträger sinnvoll. Wem das Rot der Mulden nicht gefällt, kann sie rostig oder grau auslegen. Eine zusätzliche Verbesserung wäre ein “hölzerner” Wagenboden, den man – wie auch die Verstrebung – von einem Märklin-Wagen 4514 nehmen könnte.

Damit nicht genug. Die Bahn dient dort, wo der Straßenverkehr versagt. Man stelle sich einen Wagen für eine Ladung Bleierz vor, was der Wandstärke der Kippmulden zu besserer Rechtfertigung verhilft.:

...oder noch schwerer

Bei diesem Entwurf diente ein Märklin Tieflafder 4617 als Grundlage und ein Aufbau des Kippwagens 4513 in blau lackiert. Ebenso möglich wäre die noch größere Mulde des Kippwagens 4413, wie sie bei diesem Umsetzungsversuch zum Einsatz kam:

Auf gekürzte Drehgestelle wie im ersten Entwurf wurde verzichtet. Dadurch konnte auch die Länge der Tragschnäbel unverändert bleiben. Das Tragwerk für die Mulde ist aus dem geopferten Wagen 4413 entnommen und lediglich beidseitig schräg zugesägt. Der Zufall wollte es, dass die Rippen optisch schlüssig auf die Träger des 4617 passen.

Der hellere Farbton in Ocker betont die Konturen des Wagens besser als die schwarze Farbgebung. Auch rötliche oder helle, grünliche Töne würden das leisten.

Vom “roten Kryptonit” als Ladung mag jeder halten, was er will. Ein zerbrochener Eiskratzer fiel hier einer elektrischen Kaffeemühle zum Opfer.

Für ganz andere Ladungen gibt es ebenfalls Möglichkeiten, Schrott in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das folgende Modell gab es von Märklin so nicht, obwohl es ein Märklin-Wagen ist und andere Gasolin-Wagen von Märklin existieren:

Dicht dran, aber eben doch daneben

Genau genommen war es ein zerschlissener Shell-Kesselwagen, dessen Kessel starke Abschabungen erlitten hatte. Nach dem Spachteln und Schleifen erhielt er dieses nachtblaue Farbkleid und wurde mit Gasolin-Schiebebildern dekoriert, die es bei einer Internetauktion zu kaufen gab. Die Bremszeichen sind ebenfalls Schiebebilder, jedoch von einem anderen Hersteller.

Zur Perfektion müssten nun noch die erhabenen Schriften weiß hervorgehoben werden und die Anschriftentafeln ebenfalls ein neues Schiebebild erhalten.
 
Machen solche Entwürfe nicht Mut, das eine oder andere ausrangierte Modell zu zerlegen?
 

Über den Autor

Anselm Geske zeigt in der Rubrik "Bastelei" Ideen, Kuriositäten und Verbesserungen, die sich aus bzw. an Märklin-Artikeln unterschiedlicher Epochen realisieren lassen.