Jumbo-Doppel

Die Baureihe 44 war ein Klassiker des Güterverkehrs auf der Schiene, als diese noch von diesen “Jumbo” genannten Dampfrössern geschwärtzt wurde. Was im Echtbetrieb gar keine Seltenheit war, wurde im […]

Die Baureihe 44 war ein Klassiker des Güterverkehrs auf der Schiene, als diese noch von diesen “Jumbo” genannten Dampfrössern geschwärtzt wurde. Was im Echtbetrieb gar keine Seltenheit war, wurde im Modell vergleichsweise selten vorgeführt: Eine Doppeltraktion mit zwei 44ern vor Zügen mit etwa 4000 Tonnen. Man mag sich vorstellen können, dass einer Lok allein bei dieser Last schon in leichtesten Steigungen die Puste wegblieb.

Auch wenn die Märklin-Modelle spätestens seit der Einführung der Haftreifen 1954/55 eine ganz beachtliche Zugkraft auf umgerechnet viel zu steilen Rampen aufbringen, so hat doch die Doppeltraktion im Modell ihren besonderen Reiz.

Hier ein veranschaulichendes Video:

BR 44 Doppeltraktion

Dieser Reiz wird sogar noch gesteigert, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es die 3027 als Nachfolgerin der GN 800 zwischen 1958 und 1964 in mindestens 5 Versionen mit einer Telex-Kupplung (hinten) gab. Doch wie soll man mit einer funktionstüchtigen Telex-Kupplung eine Doppeltraktion bewerkstelligen? Weder vorne noch hinten verfügen diese Modelle über Kupplungsbügel!

Das hier vorgestellte Bastelteil ist winzig, verglichen mit der Wirkung, die man damit erzielen kann: Es bietet einen gemeinsamen Kupplungsbügel, der die Kupplungshaken beider Loks umfasst und zu allem Überfluss auch noch mit der Telex-Funktion angehoben werden kann. Natürlich muss die hintere Lok auf einem stromlos geschalteten Gleisabschnitt stehen, damit die vordere Lok abrücken kann. Das stellt aber keine unbillige Schwierigkeit dar.

Interessanter ist die Frage, wie verhindert werden kann, dass die Telex-Funktion den Kupplungsadapter abschüttelt. Hier kommt die nicht ganz parallele Länge der Telexgabel positiv zur Geltung: Der die Gabel umschlingende Adapter aus 0,2 mm Messingblech ist quer zur Telexgabel etwas dehnbar und sitzt selbst in der ganz aufgesteckten Lage etwas stramm auf der Gabel. Sonst wäre zu befürchten, dass er nicht mehr über den Haken der eigenen Kupplung fällt. Dieser verhindert wirkungsvoll, dass der Adapter durch den Haken der zweiten Lok von der Telexgabel abgezogen wird.

 

Damit sich der Adapter leicht aufstecken lässt, ohne hierfür die Telexgabel anheben zu müssen, dient die Nut am Ende, das der vorderen Lok zugewandt ist.

Die hintere Lok kann an die adapterbestückte Kupplung genauso ankupplen, wie an jede andere Bügelkupplung.

Die Kraft des Telexmagneten und die Bewegungsfreiheit reichen bequem aus, um die Telexgabel mitsamt dem Adapter weit genug anzuheben.

Da so ein imposantes Gespann eine würdige Verpackung verlangt, wurde diese auf Basis einer ausrangierten Weinverpackung hergestellt. Der Karton wirkte aufgrund seiner Farbe inspirierend. Sie entspricht ungefähr den Zugpackungen der 50er Jahre.

Die beiden Einsätze sind aus jeweils zwei zugeschnittenen Stücken einer 18 mm und einer 22 mm Tischlerplatte hergestellt. Jeweils zwei dieser Stücke wurden zu einem Klotz von 85 x 380 x 40 mm verleimt. Die Silhouette der Lok wurde mit aufgelegter Lok skizziert und vorsichtig mit einer Stichsäge ohne Vorschub ausgesägt.

Dann begann die schweißtreibende Arbeit von über 4 Stunden mit verschiedenen Feilen, bis beide Öffnungen mit den sauber darin eingelegten Modellen harmonierten.

Als Boden dient eine 4 mm starke Sperrholzplatte, die zunächst etwas größer zugeschnitten war und nach dem Aufleimen mit dem Bandschleifer auf Maß gebracht wurde. Abschließend wurden die Fräsungen zur Entnahme der Einsätze aus dem Karton und für das Fach zur Lagerung des Kupplungsadapters ausgeführt und die Oberflächen verschliffen.

Die Optik könnte nur noch durch ein Klebeetikett mit den Herstellerinsignien und der Aufschrift 3047 D getopppt werden. Wer das ganze für zwei GN 800 nachempfindet, dem sei die Beschriftung DG 800 ans Herz gelegt.

Über den Autor

Anselm Geske zeigt in der Rubrik "Bastelei" Ideen, Kuriositäten und Verbesserungen, die sich aus bzw. an Märklin-Artikeln unterschiedlicher Epochen realisieren lassen.