Verschollener VT

Galt er einst als Retter der Nebenbahnen, so ist der VT 95 nun doch Geschichte. Anlass genug, solche Geschichten im Modell zu beflügeln. Hat man einen abgerissenen 3016 samt 4018 […]

Galt er einst als Retter der Nebenbahnen, so ist der VT 95 nun doch Geschichte. Anlass genug, solche Geschichten im Modell zu beflügeln.

Hat man einen abgerissenen 3016 samt 4018 zur Hand, lohnt eine Renovierung in den Originalzustand kaum. Zu oft laufen diese Modelle in guter Erhaltung auf Börsen und Auktionen herum.

Also sollte dieses Paar einer anderen Story zugute kommen. Wenn schon neuer Lack, dann auch eine neue Beschriftung. Das erlaubte, ein ganz anderes Vorbild zu wählen. In der Fachliteratur (Rolf Löttgers: Der Uerdinger Schienenbus, Franckhs Eisenbahnbibliothek) ist von einigen VT die Rede, die weit in der Welt herumgekommen sind. Allesamt sind sie schöne Anregungen, abweichende Versionen des  Märklin-Modells herzustellen.

Die ultimative Herausforderung war aber die Renaissance eines Triebwagens, dessen Verbleib unklar geblieben ist. Der Motorwagen 795 506-5 und der Beiwagen 995 438-9 sind verschollen. Nicht so im Modell!

Hier wird das Kapitel zu Ende geführt: http://en.tischbahn.de/nummer-115-der-erlkonig-ist-entlarvt/

Die beiden Fahrzeuge wurden also zu Helden der Fiktion in einem Farbkleid, das der Epoche 4 bei der DB nahe kommt.

Die Lackierung erfolgte nach gründlicher Entfernung des Originallacks zunächst mit einer handelsüblichen Grundierung aus dem Baumarkt und einem fast farbgleichen Elfenbeinlack (Revell 314: RAL 1001). Die Dächer und die unteren Fahrzeughälften wurden nacheinander  abgeklebt und silbern (Humbrol 27002) bzw. ozeanblau (Revell 351: RAL 5001) gespritzt. Die über die Dachfläche überstehenden Fanfaren wurden zunächst mit Maskierfarbe abgedecht und später mit einem feinen Pinsel silbern gestrichen.

Die Zierlinien nur auf den erhabenen Flächen silbern auszulegen, gelang leider nicht. Der Einfachheit halber wurde das ganze Band gefärbt. Erhabene Zeichen lassen sich mit einem frisch abgesägten Zündholz silbern betupfen. Der sehr dünne Silberlack zieht dabei in die Holzmaserung ein und bildet eine hauchfeine Reserve, auch wenn das Zündholzende auf einem Stück Zellstoff abgetupft wird. Dieses Abtupfen ist notwendig, weil sich sonst ein Schriftzeichen durch die Kapillarwirkung vollständig mit Farbe vollsaugen würde. 

Man erkennt ohne Klarlack sehr deutlich die Umrisse der transparenten Decals, die mit einem speziellen Drucker erstellt werden mussten. Die Schwierigkeit bestand im Drucken der hell pigmentierten Schriftzüge für dunklen, aber nicht schwarzen Untergrund.

Die dritte Stirnlampe des Triebwagens ist auf einer Seite außer Funktion genommen, indem sie von innen mit Silberlack bestrichen wurde. Darunter wurden zwei rote Lichtleiter des Beiwagens eingesetzt, der wiederum frontseitig zwei weiße Lichtleiter aus dem Motorwagen erhielt.

Einen weiteren großen Auftritt hatte dieses Gespann bei der Begegnung mit einem ähnlichen Fahrzeug des Eisenbahnmuseums Bochum Dahlhausen anlässlich einer Modellbahnveranstaltung in Essen.

Nicht jedes Modell muss vorbildlich sein. Mit Phantasie ergibt auch diese Fahrzeuggarnitur bei der Etwashauser Lokalbahn Sinn.

Über den Autor

Anselm Geske zeigt in der Rubrik "Bastelei" Ideen, Kuriositäten und Verbesserungen, die sich aus bzw. an Märklin-Artikeln unterschiedlicher Epochen realisieren lassen.