Ausgegraben: der TW auf Märklin Schienen

Vor einigen Jahren konnte der fabelhafte TW700 Prototyp aus dem Märklin Werkstatt auf tischbahn.de vorgestellt werden. Nun kann man ein solches Stück natürlich nicht einfach mal so – auch bei reichlich Hobby-Budget – für die eigene Sammlung erwerben. Doch es geht auch ein wenig anders… Bei einem bekannten Online Auktionshaus tauchte […]

Vor einigen Jahren konnte der fabelhafte TW700 Prototyp aus dem Märklin Werkstatt auf tischbahn.de vorgestellt werden. Nun kann man ein solches Stück natürlich nicht einfach mal so – auch bei reichlich Hobby-Budget – für die eigene Sammlung erwerben. Doch es geht auch ein wenig anders…

Bei einem bekannten Online Auktionshaus tauchte vor einigen Woche ein unfertiges Modell des SVT 137 Bauart Hamburg auf – mit montiertem Märklin Schleifer! Die Proportionen sahen stimmig aus, gefertigt war Stück aus Kupfer- und Dosenblech (!). Es gab einige Mitbieter bei der Auktion, doch das gute Stück wanderte dann doch in die Tischbahn-Werkstatt.

Bereits auf den Auktionsbilder war zu sehen: der Motor hatte große Ähnlichkeit mit dem im Märklin Baukastenmodell (BKM) 11 „Industrie-Anlage“ verbauten Motor. Hier die Teile direkt nach dem auspacken:

Sehr schön zu sehen, die Bodenplatte des unmotorisierten Teils stammt einer alten Blechdose in der Linolium Politur verpackt wurde! Die abgerundeten Dächer sind aus Pertinax gefertigt worden.

Eine erste Stellprobe zeigte: der Gesamteindruck passt! Lediglich der Motor läßt ein Ende etwas hoch stehen… dies konnte später ganz einfach mit einigen Unterlegscheiben an den zwei hinteren Drehgestellen berichtigt werden.

Die technisch Interessierten Leser hab ich ja nun mit dem Motor schon nervös gemacht, hier also ein Foto:

Eine sehr simple Konstruktion, der Motor ist mit einem Federstahlblech auf dem Messingfahrgestell befestigt und treibt mit wenig Übersetzung die Achsen an. Trotzdem: seidenweicher Lauf für die damalige Zeit! Leider fehlte einseitig eine Drehgestellblende, so wurden beide Seiten durch Märklin Teile aus der Bastelkiste ersetzt.

Ein Problem gab es aber noch…. der Schleifer war montiert – jedoch war das gute Stück vermutlich für eine Gleichstrom Anlage gedacht. Zumindest war keine weitere Technik für den Betrieb auf einer analogen Märklin Anlage vorhanden… gut kein Problem, bauen wie einfach einen Digital-Decoder ein. Der kann dann ja auch Analog fahren. OK: kleiner Spaß! Sowas macht man nicht…!

Ein Gleichrichter war schnell beschafft und um dann noch einen Umschaltung der beiden Pole hinzubekommen diente ein Märklin Umschalter 22 049 (u.a. verwendet im TEE 3071). Voila! Läuft!

Nun noch schnell passende Farben und Maskierungstapes besorgt und anhand einiger Vorbildfotos die Farbkanten und wichtigsten Zierlinien abgeklebt.

Der Bastelladen an der Ecke führt auch feine Gitter, die noch schnell schwarz lackiert wurden, passend zugeschnitten und angebracht wurden.

Abschliessen wurden noch einige Beschriftungen angebracht und der ersten Probefahrt stand nichts mehr im Wege.

Sehr beachtlich auch die schön gelöste Rundung im Dach über dem mittleren Drehgestell – Elegant. Und wichtig: nur mit Schraube auf dem Dach ist es ein Märklin Modell! Diese hält übrigens den Motor an seiner Stelle, die Dächer sind von unten/innen mit Schrauben befestigt.

Nicht ganz der Märklin Prototyp, aber doch ein schönes Stück das sich auf der 700/800er Anlage nicht neben DT oder ST800 verstecken muss!





Über Frank Ronneburg


Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert.

Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert.

Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.

Seit 2015 wird die Mikado Märklin 00/H0 Edition von ihm gepflegt und um eine Online-Ausgabe mit deutlich erweitertem fachlichem und technischem Umfang ergänzt.