SK 800 x2: die BR 06 von Schnabel

Die legendäre Stromliniendampflok SK 800 von Märklin ist bei Sammlern sicher eines der beliebtesten Modelle. Das von 1939 – 1959 (als Teilesatz auch später noch verfügbar) produzierte Modell war sogar zeitweise auf dem Titelbild der zeitgenössischen Kataloge zu finden. Mit einigen Wagen der 350er oder 346er Serien ein toller Zug […]

Die legendäre Stromliniendampflok SK 800 von Märklin ist bei Sammlern sicher eines der beliebtesten Modelle. Das von 1939 – 1959 (als Teilesatz auch später noch verfügbar) produzierte Modell war sogar zeitweise auf dem Titelbild der zeitgenössischen Kataloge zu finden. Mit einigen Wagen der 350er oder 346er Serien ein toller Zug auf den Tischbahnanlagen der damaligen Zeit – heute natürlich auch noch!

 

Mit dem Modell sollte eine Baureihe 06 der DR nachgebildet werden. Dies ist im wesentlichen auch gut gelungen, jedoch wurde auf eine Treibachse verzichtet und somit ist das Modell einige Zentimeter zu kurz geraten. Dies fällt zunächst nicht sofort ins Auge, jedoch gab es genug Kunden die daran Anstoß nahmen und nach einem Modell im korrekten Längenmaßstab riefen… im Hause Märklin sprachen aber praktische Gründe gegen eine Verlängerung des Modells. Hauptargument war sicher, daß mit einem längeren Modell das durchfahren kleinerer Radien unmöglich geworden wäre. Auch wäre ein neu gestaltetes Fahrwerk inklusive Rahmen sowie eine neue Gußform für das Gehäuse notwendig gewesen. Somit blieb es bei der kleinen Version der BR 06.

Dies hielt jedoch findige Bastler nicht davon ab aus zwei eins zu machen, sprich: mit einer gut ausgestatteten Werkstatt und zwei SK 800 Modellen sowie zwei gezielten Schnitten wurde ein passendes Gehäuse erschaffen. Aber auch die Verlängerung des Fahrwerks erforderte einiges an Geschick. Tatsächlich griff auch das Märklin Magazin im Heft 1/ 1976, S. 23ff die Idee auf. Die Umbauanleitung von Kurt Geßner nutzte das Tendergehäuse der 3094 und einen aus zwei 3085-Fahrgestellen bestehenden Knickrahmen, damals waren solche Teile noch als Ersatzteile zu bekommen.

Schnabel Kataloge D5 und D6, in der Mitte mit zusätzlichem Aufkleber

Wer nicht selber zur Säge greifen wollte, konnte auch die Dienste der seit 1948 aktiven Firma Schnabel aus Wiesau in Anspruch nehmen. Bekannt sind die beiden Schnabel Kataloge „D5“ und „D6“. Der Katalog D5 stammt aus dem Jahr 1973, beim Katalog D5 ist das Erscheinungsjahr unbekannt. Im Katalog D6 sind 1,5 Seiten mit vier Abbildungen der BR 06 gewidmet. Neben dem SK 800 Gehäuse wurde bei Schnabel immer der Tender der 3089 – jedoch mit 5 Achsen – verwendet. 

BR 06 (SK 800) im Schnabel Katalog D5

BR 06 (SK 800) im Schnabel Katalog D6

Es existiert ein doppelseitiges Infoblatt zur BR 06 in dem genau beschrieben wird, daß „Einfachausführungen“ aber auch eine „Präzisionsausführung mit vermehrter Detaillierung“ lieferbar waren. Beschrieben sind auch ganz detailliert die möglichen Änderungen. 18 Punkte wie „Beleuchtungen“ oder „Getriebeumarbeitung“ machen jede Schnabel 06 zu einem Einzelstück.





Über Frank Ronneburg


Frank Ronneburgs besonderes Interesse gilt den sogenannten „Händler- oder Werbeartikeln“. Dazu zählen alte Werbeschilder, Ausstellungsdisplays oder Händleranlagen – Ausstellungsstücke, welche speziell für Modelleisenbahn-Händler gefertigt wurden. Ein sehr exklusives Stück – die Märklin Sonnenuhr – konnte so vor einiger Zeit, nach langer Suche aus Schweden und einem Transport von über 2000 Kilometern, wieder öffentlich in einer Ausstellung präsentiert werden. Ein ganz besonderer Fund für Frank Ronneburg, da dieses Schaustück nach aktuellem Kenntnisstand weltweit nur noch einmal existiert.

Seit Jahren betreibt Frank Ronneburg die Seite tischbahn.de, eine Plattform für Liebhaber und Sammler von historischen Modelleisenbahnen. Hier werden regelmäßig aktuelle Fachartikel veröffentlicht und begehrte Sammlerstücke - deren Besonderheiten und Marktwert - fachkundig präsentiert.

Seine langjährige Erfahrung, Fachkenntnisse und Passion stellt der Experte als Kurator für zahlreiche Ausstellungsprojekte in ganz Deutschland unter Beweis. Zuletzt kuratierte er im Juni 2012 eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin und war Experte bei Auctionata für die Auktion "Märklin Eisenbahn aus privater Sammlung" im Mai 2013.

Seit 2015 wird die Mikado Märklin 00/H0 Edition von ihm gepflegt und um eine Online-Ausgabe mit deutlich erweitertem fachlichem und technischem Umfang ergänzt.